Full text: Reden und Redner des ersten deutschen Parlaments

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IV . Tie polnische Frage . 
politischen Glaubensartikel beruhe , den man eben hinnimmt , ohne ihn weiter zu untersuchen . 
Es sei jedoch ferne von mir , meine Herren , der Sympathie für Polen überhaupt jegliche« Grund absprechen zu wollen . Eine Eigen - schast haben die Polen so oft und so schlagend bewiesen , das ; selbst ihre entschiedensten Gegner nicht umhin können , dieselbe bewundernd anzner - kennen : sie haben so oft eine uuvenoüstliche und tapfere Vaterlands - liebe gezeigt , das ; man nur wünschen kann , Etwas von ihrer Ausschließ - lichkeit möchte auch bei uns gedeihen . Mag man immerhin der Geschichte recht geben , die auf ihrem von der Notwendigkeit vorgezeichneten Gange ein Volksthum , das nicht mehr stark genug ist . sich zu erhalte» unter ebenbürtigen Nationen , mit ehernem Fuße stets unerbittlich zertritt , so wäre es doch unmenschlich und barbarisch , sich gegen alle Theilnahme zu verschließen beim Anblick der langen Passion eines solchen Volkes , und ich diu weit entfernt von einer solchen Gefühllosigkeit . 
Ein Andres aber ist es , ergriffen zu fein vou einem Trauerspiel , und ein Anderes , dieses Trauerspiel gleichsam rückgängig machen zu wolle« . Eben nur die eiserne Notwendigkeit , welcher der Held unter , liegt , macht fein Geschick zur wahren Tragödie , und in den Gang dieses Schicksals eingreife« , aus menschlicher Theilnahme das nmrollende Rad der Geschichte aushalten und noch einmal zurückdrehen zu wollen , das hieße , sich selbst der Gefahr preisgebe« , vou ihm zermalmt zu werde» . Polen bloß deswegen herstellen zu wollen , weil sein Untergang uns mit gerechter Trauer erfüllt , das nenne ich eine schwachsinnige Sentimentalität . 
Obgleich eine solche poetische Se»time»talität im Grunde das Hauptmotiv aller derer ist , welche vou uuS die Herstellung eiues freien Polens verlangen , so sehen sie doch selbst ein , daß ein solcher Grund nicht viel Gewicht hat , und sie versäumen es deshalb nicht , ihre Forde - rungen mich durch andere Gründe plausibel zumachen . Sie sagen : die politische Klugheit rathe , die Gerechtigkeit fordere , die Huma - uität gebiete die Herstellung eines freien Polens / 
Erlauben Sie , daß wir nns diese Gründe etwas näher ansehen . 
Zunächst ist es ein Gemeinplatz , der seil einem Menschenalter breit getreten wird , daß Deutschland eines freien Polens bedürfe als einer Bormauer , als eiues Walles gegen Rußland , gegen die asiatische Bar - barei , wie man [ Blum St . B . 11 11411 sich ausdrückt . 
Meine Herren ! Es wäre traurig , wenn ein Volk von fünf und vierzig Millionen , das in ziemlich compacter Geschlossenheit da steht , in dem wohl verschanzten Gentium Europas glauben wollte , gegenüber 
	        

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