40 IV . Die polnische Frage .
Fracke von gleicher europäischer Berühmtheit haben Sie noch nicht zu beantworten gehabt . An der Themse wie an der Seine , an der Weichsel wie an der Newa harrt man — wenn auch in der allerverschiedensten Stimmung , so doch mit gleicher Spannung — Ihrer Entscheidung gegen , und in einem Maße , wie es bisher wohl noch nie der Fall ge - wesen ist , werden die Worte , die von der Kanzel dieses Hauses ertönen , einen Nachhall erwecken in der ganzen gebildeten Welt ; denn in einer Streitsache mit einem andern Bolksthnm , die Jahrhunderte lang gedauert hat , und über die bisher nur geurtheilt wurde im geheimen Rathe der Könige , sitzt hier zum ersten Mal das deutsche Vvlk selbst zu Gericht . Die Welt fragt sich : Wird es die Entscheidung seiner Fürsten bestätigen oder verwerfen ? Und die Unwiderruflichkeit dieser höchste» Instanz , gegen welche es keine andere Appellativ» gibt als einen europäischen Krieg , muß bei der tief erregte» Theilnahine , die das polnische Trauerspiel iu ganz Europa seit einem Menschenalter erregt , die Spannung ans das Höchste steigern .
Diese europäische Wichtigkeit , meine Herren , welche die öffentliche Meinung unserer Entschließung beilegt , macht es , meiner Ansicht nach , dringend nothweudig , daß wir ein Aerfahren beobachten , das dem in andern Füllen entgegengesetzt ist . Ich glaube , wir dürfen die Berathnng der poseuer Frage nicht beschränken ans die engen Grenzen , in die man sie als einen besonder» Fall allerdings einrahmen muß , um eben durch diese Beschränkung de» Ueberblick u»d so die Entscheidung zu erleichtern .
. Vielmehr glaube ich , daß wir uns «ach dieser specielleu Betrachtung nothwendig erheben müssen ans den weltgeschichtlichen Standpunkt , ans dem die pvsener Angelegenheit zu untersuchen ist in ihrer Bedeutung als Episode des großen polnischen Dramas , und ich gestehe offen , daß ich nicht wüßte , wie ich hier zu einer Entscheidung kommen sollte , wenn ich mich einer historischen Kritik , wie der Herr Vorsitzende >v . Gagern St . B . II 113G ) vorhin gewünscht hat , völlig enthalten sollte .
Um nun die specielle Seite des vorliegenden Falls entscheiden zu können , kommt es darauf au , wie wir uus zwei Hauptfragen zu beantworten habe« :
1 . Soll der Grundsatz einer Gebietsscheidnng des Groß - herzogthnms Posen nach Maßgabe der beiden Nationalitäten anerkannt werden ?
2 . Soll die Verwirklichung dieses Grundsatzes , sowie sie durch die bereits gezogene Scheidungslinie erfolgt ist , unsere Genehmigung erhalten ?

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