512 XVII . Der Welckersche Antrag .
So sehe ich hierin nichts Anderes , meine Herren , als eine Verschiebung der zweiten Lesung ans einige Wochen oder Monate .
Meine Herren ! Wenn dies die Roth des Vaterlandes gebietet , wenn dieses zur Sichernng der Existenz der Nationalversammlung , zur Ruhe und Ehre des Vaterlandes sührt , dann schwindet mir jedes Be - denken . Aber vielleicht von der vorgefaßten redlichen Ueberzengnng und Meinung Einzelner über die Güte oder über den Nachtheil mancher stimmungen , — von diesen , Standpnncte aus stehen wohl diesem Vor - schlage Bedenken entgegen ? !
Meine Herren ! Erwägen Sie doch , Sie , die Sie vielleicht dieses oder jenes , das Veto n . s . w . Ihren Ansichten und Ihrer Ueberzengnng nicht genehm finden , erwägen Sie doch , ob Sie sicher sind , in dieser wunderlich zerrissenen Versammlung irgendeine Majorität für einen Be - schlnß zu erlangen ! Es kauu Ihne» noch manches Unangenehme kommen , — ich sage es den Herren zur Rechte» und zur Linke» — und was wir zuletzt beschlösse» habe» , war mehr ei» Lotteriespiel als eine sichere Berechnung : so ehrlich die Ueberzeugung und Abstimmung gewesen seilt mag , so war eine Berechnung nicht möglich bei dem gegen - wärtig zerfahrenen Stande unserer Versammlung . Eine Abstimmung ohne Discussiou vollends wäre * mehr als Lotterie .
Die Herren auf der rechten Seite , wenn sie die Mitaufnahme des Wahlgesetzes als ein großes Unglück betrachten , frage ich : Sind Sie denn sicher , in dieser Versammlung ein besseres Wahlgesetz zn be - kommen ? Es ist wohl möglich , wenn Sie systematischer in den ver - scknedenen Fractionen sich einigen und ein bestimmtes System an die Spitze stellen : aber gewiß ist es doch auch nicht , und zeigt sich dann bei der Wahl eine bedeutende Verletzung der Gefühle und Bedürfnisse unseres Volkes , wird dann nicht auch noch einige Abhilfe sein ? — ruhigen Sie sich darüber !
Leid hat mir gethan , daß man einen einzigen Paragraphen in diesem Wahlgesetze geändert hat , für den ich gestimmt habe als Eonfervativer : man hat das geheime Wahlrecht aufgehoben und das öffentliche wiederhergestellt . Ich habe immer das öffentliche Wahlrecht für bedenklich und das geheime Wahlrecht für schützend gehalten in be - wegten Zeiten ; denn das geheime Wahlrecht ist es , das die Bestechung entfernt und in gefährliche» Zeiten den Volksführeru die Möglichkeit nimmt , sich an denjenigen zn rächen , die nicht gestimmt haben , wie sie
* St . B . VIII 5 * 05 : war .

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