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XVII . Der Wclckerschc Antrag^
Jetzt glaube ich , meine Herren , die Mittel sind erschöpft ; jetzt glaube ich , es liegt iu dein Werk der eigenen Hände der Minister , in ihrer babylonischen Verfassung , hinlänglich klar Dur , daß wir uuit ihnen die Vereinigung Oesterreichs i» dein Bundesstaat nicht erwarten dürfen ; — die neuesten Ereignisse sind Ihnen bekannt — jetzt glan be ich , daß die Zeit dringt , das übrige Deutschland desto fester , desto stärker , desto inniger zu vereinigen .
Wenn ich hier Hinblicke ans meine alten Freunde , so werde ich vielleicht einem kleinen Triumph iu Ihrem Herzen , wenn nicht in Ihren Mienen begegnen , daß sie schon vor Wochen und Monaten und ich erst so spät das Richtige erkannt hätte .
Seien Sie stolz daraus , wenn Sie wolle« , aber vergeben Sie mir : auch ich bin — obwohl jetzt mit traurigem Herzen — stolz daraus , daß ich so viel , wie möglich war , nach allen Kräften eine Verzögerung der Trennung bewirkte . Wir haben viel dadurch gewonnen , und Sie selbst , gerade die eifrigsten Anhänger der preußischen Kaiserkrone , müssen mir danken ; denn , meine Herren , denken Sie , wenn an dieser Krone ein Flecken geklebt hätte , ein Vorwurf , ein Schein einer Schuld , daß sie Deutschland zerrisse» hätte , wein : der Gedanke entstanden wäre , durch voreilige oder eigennützige Beschlüsse wäre Oesterreich hinausgetrieben worden , — oh ! dann wäre diese Krone nicht so viel Werth , nicht so wohlthätig schützend .
Wir wollten unsere österreichischen Brüder in brüderlichem Ver - band mit nns erhalten , dafür haben wir zu wirke» gesucht ; wir wollten ihnen das Bewußtsein lassen , daß hier in ganz Deutschland deutsche Herzen für sie schlage« , die jeden Augenblick bereit sind , ihnen die Bruderhand zu reichen , wenn sie wieder zu uus kommen , — kein Stachel der Empfindlichkeit darf in ihrem Herzen zurückbleiben . Sie selbst , die Sie für das preußische Kaiserthum stimmte» , haben nicht Oesterreich verletzen wollen : Sie haben geglaubt , es wäre das nnent - behrlichste Mittel der Sicherung des Vaterlandes .
Uebrigens habe» sich trotz jenem Wunsche , durch das preußische Kaiserthum baldigst zum Abschluß zu kommen , wiederholt Majoritäten in dieser Versammlung gebildet , um den Oesterreicheru auszusprechen , daß wir nicht ohne tiefste» Schmerz sie auch nur vorübergehend aus - scheiden sähen . 1
Dies , meine Herren , ist wichtig : die Schnld möge das österreichische Cabinet , nicht das österreichische Volk , nicht nns , unser Werk und unsere Krone treffen . Diese Reinheit von Schuld , dieses volle , klare

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