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XVI . Das Wahlgesch .
als Flüchtlinge in das Ausland fährt . Ist das Unheil dann damit gut gemacht , daß man ihnen , um sie für ihren unersetzlichen Verlust , für die Entbehrung des vaterländischen Bodens , für das Elend in der Fremde zu entschädigen , ein dürftiges Almosen hinüberwirft ? !
Meine Herren ! Nicht allein können die socialen Hebel durch daS allgemeine Stimmrecht nicht geheilt werden , sondern es liegt auch darin eine große Gefahr für die Freiheit ; denn werden durch das allgemeine Stimmrecht Volksver - tretungen geschaffen , die keine Wurzel schlagen im sittlichen Bewußtsein des Volkes , so wird die Regierungsform des Absolutismus wieder neue Kraft erlangen . Das Bedürfniß der Ordnung im Staate ist so dringend und mächtig , daß da , wo es nicht befriedigt werden kann , alles Andere hintangesetzt wird , und daß , wenn keine Ordnung mit der Freiheit mog - lich ist , man die Freiheit fahren läßt und nach der Ordnung greift . Das ist eine Thatfache , die nicht geleugnet werden kann , und die sich aufs Neue darstellen wird , wenn in Deutschland das allgemeine Stimm - recht bestehen bleibt und dadurch beständige Schwankungen und Zer - rüttungen hervorgerufen werden .
Zu alle» Zeiten , bei alle» Völkern sind Beschränkungen in An - Wendung gekommen . Die Sclaoerei des Alterthums , die Leibeigenschaft und Hörigkeit des Mittelalters sind durch die allmählich immer mehr und mehr zur Verwirklichung gekommene christliche Idee beseitigt worden . In der christliche» Idee liegt die Aufforderung , liegt die Verpflichtung für die Staatsgesellschaft , die Menschenwürde in jedem Individuum zu achten , den gleichmäßigen Berns Aller anzuerkennen und auf die Be - fähiguug Aller zu dessen Ausübung hinzuwirken ; aber die Ausübung unabhängig zu machen von der Befähigung , das würde eine Pflichtver - letzung sein , die der Staat gegen sich selbst beginge .
Die Beschränkung des allgemeinen Stimmrechts ist für den Staat eine Pflicht der Selbsterhaltung , denn er stürzt sich sonst aus einer Krise in die andere , seine ganze Existenz geräth in Ge - fahr ; sie ist aber auch eine Pflicht der Eivilifa tion , denn , was ein Volk besitzt an Gütern der Bildung , der Kunst und Wissenschaft , das kann nicht gepstegt werden unter fortwährenden Stürmen , kann nicht gedeihen da , wo jeden Augenblick durch heftige Stöße die ganze Staats - gesellschast ins Schwanken geräth ; es ist serner ein Gebot der materiellen Wohlfahrt , denn da , wo keine Gleichmäßigkeit , keine Stetigkeit des Staatslebens vorhanden ist , wo die Bürgschaft fehlt , daß das Bestehende zwar fortwährend der Vervollkommnung entgegengeführt ,

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