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XVI . Das Wahlgesetz .
den Elementen der Gefiltuug dnrchdrnngen ist ; keiner aber kann Etwas bewahren und fortbilden , was er nicht besitzt .
Der Staat hat also daraus zn sehen , daß das Wahlrecht in solche Hände gelegt werde , die zur Lösung dieser Anfgabe , znr Fortbildung des eigentlichen Enltnrlebens im Staate befähigt sind .
Wenn wir nun den Blick ans die Verhältnisse in Deutsch - land richten , können wir uns die Frage , ob wirklich das Volk in allen Gliedern bis in die uutersteu Schichten hinunter von diesen Elementen der Gesittuug durchdrungen ist , und ob man überall denjenigen Grad von Einsicht nnd Selbstständigkeit voraussetzen dars , der mit der Aus - übuug des Wahlrechtes uothweudig verbunden sein muß , können wir diese Frage bejahen ? Wir können es nicht , meine Herren !
Was hilft es , wenn Herr Ziegert sSt . B . VII 5234 ] nns gestern gesagt hat , es sei eine neue Weihe über die Menschen gekommen ? ! Wir können wohl mit einer Gesühlserhebuug , mit einem abstrakten Gedanken nns über die Wirklichkeit hinwegsetzen , wir können sie aber niemals nn - bestrast verleugnen . Wir können es nicht verkennen , nnd wir müssen es beklagen , das ; iu unserem Vaterlande , das in mancher Beziehung hoch steht , doch noch ein großer Theil der Bevölkerung sich in einem Zustande befindet , iu welchem er alle ihm zn Gebote stehenden Kräfte dazu zu verwenden hat , daß die äußerste Nothdurst des Lebens befriedigt werde , in welchem der Blick nicht über dieses nächste Ziel hinausreicht , und in welchem auch der geringste Grad von Einsicht in politischen Dingen nicht anzutreffen ist . Das ist eine Thatsache , die nicht geleuguet werden kauu .
Die Classeu also , die nun urplötzlich , nachdem sie nie vorher in die Lage kamen , nachzudenken über das Wesen des Staates , berufen werden , eine so wichtige Entscheidung zn treffen , werden entweder das blinde Werkzeug Anderer , die sie zu ihren Zwecken mißbrauchen , oder sie verfallen irgend einem anderen Jrrthum , und es kann dadurch das - jenige , was um ihrer selbst willen befördert werden muß , das Wohl des Staates , nur gefährdet werden .
Wenn wir aber diese Ueberzengnng gewinnen nnd sie nns zur Richtschnur dienen lassen , so können wir andererseits die Aufgabe des Staates nicht verkenne» , durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel , durch Schuleinrichtungen nicht allein , sondern auch durch andere Bildungs - anstalte« und selbst durch Beförderung geeigneter Associationen dahin zn wirken , daß Einsicht und Befähigung sich iu immer weitere» Kreisen verbreiten ; denn , wie ich schon vorhin bemerkte , alle Staatsangehörigen sind gleichmäßig berufen , an dem Staatsleben durch thätige Mitwirkung

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