XVI . Das Wahlgesetz .
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Auch Deutschland svll die Arbeit heilig halte» , aber es soll sie dadurch ehren , das ; es dem fleißigen Arbeiter die Bahnen öffnet zu jeder Stellung und zur höchsten im Vaterlande : niemals muß er aus - geschlossen sein ; niemals muß er aber auch berechtigt sein , wenn er nicht durch dasjenige , was er leistet , sich so gestellt hat , daß bei ihm das Kriterium der Befähigung zu einer weisen Ausübung des politischen Berufes vorhanden ist . Daun , meine Herren , bei solchen Einrichtungen wird die Gefahr , auf die Herr Löwe . 477 und * 178 ] hindeutet , daß sich auf dem Wege des AssociationSwesens ein Staat im Staate , eine feindselige Richtung gewisser ( Staffen gegen den Staat ausbilde , nicht zu befürchten fein ; beim der fleißige Arbeiter wird es dahin bringen , daß er das Wahlrecht erlangt , und es wird niemals bei ihm eine Ursache der Feindseligkeit sein , daß er es nicht von vorn herein ausübt .
Auch die weitestgehenden Anträge haben anerkannt , daß die Be - rechtigung zur Wahl , zur activen Mitwirkung am Staate erst mit der Volljährigkeit beginnen könne ; — also mich von dieser Seite her ( von der Linken ) wird das Princip der Beschränkung zugegeben : denn mit welchem Rechte würde sonst derjenige , der im neunzehnten oder zwanzigsten Jahre , also vor der Volljährigkeit , bereits Militärdienste zu leisten hat , dem die Zumuthuug gemacht wird , für die Gefammtheit zu sterben , mit welchem Rechte würde dieser ausgeschlossen vom Wahlrechte , wenn mau nicht überhaupt eine Beschränkung im Interesse des Ganzen als nothwendig anerkennt ?
Es fragt sich nur : Wie svll die Beschränkung gefunden werden ? Und da komme ich zu der Betrachtung , worauf es eigentlich bei Ausübung des Wahlrechts ankommt , was eigentlich durch den Gewählten vertreten werden svll . Herr Löwe . 478 und 479 ] selbst hat Ihnen bewiesen , daß eine numerische Vertretung , eine Vertretung des empirischen Volkes , wenn ich mich dieser Bezeichnung bedienen soll , nicht möglich ist .
Es ist principiell unrichtig und wird niemals zu erreichen sein , daß der Wille oder die verschiedenen Willen der Einzelnen im Staate suinmirt werden und dadurch der Gesammtwille sich herausstellt . Es soll nicht der Einzelne im Volke , das numerische Volk vertreten werden : es soll vertreten werden , was das Volk besi^t an Bildung , an Wohlstand , an Macht , an Ruhm ; was ihm überliefert worden ist von der Vergangenheit , das soll es bewahren und soll es ausbilden und vermehren für seine Zu - kuuft . Das ist die Aufgabe der Volksvertretung , und zu dieser Auf - gäbe der Gesittung ist Jeder im Staate berechtigt mitzuwirken , der von
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