XVI Das Wahlgesetz .
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hat , und wenn Sie für die Zukunft diesen zweifachen Jnstanzenzug an - nehmen , so ist es wohl nur der Zufall und nur die Wahrscheinlichkeit im glücklichsten Falle , daß die Majorität , welche Etwas beschlossen hat , wahrhaft von der Majorität des Volkes gewählt ist .
Nun bedenken Sie den complicirten Staat in der Gegenwart : bedenken Sie , wie Vieles man gegenwärtig von einem Staate erwartet und verlangt , nehmen Sie an , daß der Staat in der letzten Zeit ge - zwungen ist , eine Masse von Angelegenheiten in die Hand zu nehmen , die nach meiner Ueberzengnng dem Staate gar nicht zukommen !
Ich für meine Person sehe die Gefahr für die Freiheit der Bürger nicht bloß bei der unbeschränkten Monarchie , sondern auch bei den Miuoritätsregierungen , * ein Grund , der noch immer dahin führen wird , dieser großen Staatsverwaltung so viel Gebiet als möglich zu entziehen und es der freien Association oder der Verwaltung des Bezirks oder der Gemeinde zu überlassen . Ich verkenne aber unsere Zustände nicht : ich weiß , daß bei dieser krankhaften Neigung des Volkes , möglichst in allen Beziehungen von Oben herab regiert zu werden und von dort Alles zu erwarten , Vieles mit Gewalt in den Staat hineingetrieben wird , was der Association oder höchstens der Gemeinde überlassen werden müßte . Die Freiheit der Kirche [ 5 . 53 . wird noch lange isolirt da stehen : man wird [ iibcraupt ] nicht dem Moloch des Staates die Eingeweide heraus - nehmen , um jedes derselben zu einem selbstständigen Wesen zu machen .
Wenn wir aber eine so complicirte Regierung haben , so ist eine sichere Garantie um so uothwendiger , daß wir wirkliche Majoritäts - beschlüsse besitzen .
Die Gründe , welche gegen die directen Wahlen ein - gewendet werden , sind nur Bequem l ichkeit s gründe . Man sagt , es macht sich leichter , die indirecten Wahlen sind leichter auszuführen : bei den directen Wahlen sollen die Leute zusammenkommen ; wenn keine absolute Majorität da ist , muß man einen neuen Termin anordnen , [ f . Verhandlungen II 844 . ]
Ich glaube aber , daß dieser Zweck der Wahl , die Majorität des Volkswillens selbst zu erlangen , ein so entscheidender ist , daß alle Be * qnemlichkeitsgründe nicht in das Gewicht fallen können . Wichtig aber ist außer dem Zweck der Willenserforfchnng auch noch der Einfluß , den die Wahloperation auf die Sittlichkeit des Volkes übt .
Viele von uns sind durch indirecte Wahlen gewählt , und ich glaube wohl , daß Viele von Ihnen mit mir eine und dieselbe Erfahrung
* Sl . B . VN 5245 : bei den Majoritätsregicrungen .

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