Full text: Reden und Redner des ersten deutschen Parlaments

III . Die provisorische Centralgewalt . 
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rufen will . Nun , meine Herren , wenn diese Bestimmung die richtige ist , s'' sage ich : gäbe es auch eine solche Partei in Deutschland , in dieser Versammlung besteht sie nicht , Niemand ist reaktionär in der sammlung ! 
Allerdings , meine Herren , befinden sich hier Personen , die der alten Monarchie treu und aufrichtig gedient haben ; aber sie sind nicht blind gewesen gegen bereu Mängel , sie haben sich nicht verhehlt alle Ge - brechen des Polizeistaates : sie haben sehr gut gewußt , daß nur der Rechtsstaat der wahren politische» Ordnung entspricht , daß nur dieser die Dauer in seinem Schöße trägt Sie wünschten , daß der Uebergang auf gesetzlichem Wege geschehen möge , sie wünschten Evolution , nicht Revolution . Leider ist jener Weg nicht rechtzeitig betreten worden : das erkennen wir mit tiefem Schmerz an . Daher ist die°Rev olntion erfolgt . Hierin stimme ich ganz überein mit dem , was wir in den vorigen Tagen gehört haben . 
Folgt nun daraus , daß die Personen , die ich Ihnen charakterisirte , reactionär sind ? 
Ich sage : Nein ! Niemand hier im Saal wünscht , die gefallenen Zustände wieder hervorzurufen , und zwar aus einem doppelten Grunde : erstens , weil sie factisch untergegangen sind ; zweitens , weil sie wirklich mangelhaft waren . Nicht bloß das Gesetz der Notwendigkeit ist es , was uns daher vor den reaktionären Gelüsten hütet , sondern eine höhere sittliche Verpflichtung . 
Ich hoffe , meine Herren , daß dieser äußere und innere Zwang vollkommen genügt , um die Bürgschaften zu geben , die man von Jedem verlangen kann , der ein Mandat zu dieser Versammlung angenommen hat . Daher fordern wir : Richten Sie uns nach unfern Handlungen ! Dasselbe sagen wir Jedem von Ihnen zu , meine Herren ! ( Zur Linken gewendet . ) 
Wir Alle wollen das Wohl Deutschlands , obgleich auf sehr schiedenen Wegen . Darum sind wir politische Gegner , aber das schließt nicht die Achtung , es schließt nicht die volle Anerkennung der Persönlichkeiten aus . O ja , es gibt Personen , die in den politischen Kämpfen sich selbst suchen , die Befriedigung ihrer eigenen Leideufchafteu und Interessen , aber diese sind ans allen Seiten . Meine Herren , vorausgesetzt darf dies nie werden , sondern wir müssen davon ausgehe« , daß Jeder in gutem , festem Glauben ans dem Wege geht , auf dem er die Wahrheit zu finden glaubt . Ein solcher Vorsatz , meine Herren , wenn wir ihn hier fassen , wäre sehr viel Werth : er würde aus uusern Verhandlungen den Beisatz
	        

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