XVI . Das Wahlgesetz .
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der That kein Zweifel geherrscht , was für ein Wahlgesetz wir im März annehme» wollten , — Niemand hat darüber debattirt . Das allgemeine Wahlrecht war eine Thalsache , die Niemand angefochten hat : es wurde ans der Stelle , ohne zu markten und zu handeln , gegeben als eine Noth - wendigkeit , der man sich nicht entziehen konnte , die aus unserer ganzen Geschichte hervorgeht ; ' denn gerade in Deutschland — weil man uns immer andere Länder zum Muster nennt , [ rebe ich hiervon ) — läuft die ganze Geschichte dahin , daß das Individuum das größte Recht auf Anerkennung im Staatsleben hat .
Ich will Sie nicht lange mit Ausführungen behelligen , aber wenn ich Sie auf das Wesen des Protestantismus zurückführe , so müssen Sie zugebe» , daß der Protestantismus die Rechte der Individuen in so hohem Grade anerkennt , daß die Würde des Menschen dadurch auf eine so hohe Stufe gestellt werde» sollte wie »och »ie vorher i» der Ge - schichte . Diejenige» , welche NichtProtestanten sind , werden zwar sagen , es wäre ein Vermischen der weltlichen Verhältnisse mit den religiösen gewesen ; gewiß aber war es der tiefe Zug in dem deutschen Charakter , die Individualität bis zum Eigensinn auszuprägen und zur Geltung zu bringen .
Wie der Protestantismus in Deutschland es gewesen ist , so war es die französische Revolution in Frankreich , und ein großer französischer Staatsman» der Revolution hat es beim Absterben der Revolution ausgesprochen , als man über deren Inhalt zu reflectireu begann , wie wir es jetzt über unsere Märzrevolutiou oder , wie mau es jetzt zu nennen pflegt , „ Märzerhebung " thnn . Damals sagte Sieyös : „ Die eigenste Fahne der Revolution ist die Gleichheit , " ^ und gewiß , meine Herren , wenn Sie die Geschichte Frankreichs verfolgen , so werden Sie finde» , daß i» der That die eige»ste Fahne der Revolution die Gleichheit gewesen ist , nicht die Freiheit allein , — eine Fahne , die das Volk immer wieder erhoben hat , und eine Fahne , auf die es jetzt noch das neue Wort : die Gleichheit und die Brüderlichkeit gesetzt hat .
In diesem Momente , meine Herren , kommt der Ausschuß und schlägt uns eine Beschränkung des Wahlrechts vor , um gewisse Classen von der unmittelbaren Mitwirkung im Staatsleben auszuscheiden !
Ich will nicht tiefer darauf eingehen , welch' sittliches Unrecht darin liegt : ich will mich nur darauf beschränken , die praktischen Be - denken , die gegen die Ausführbarkeit gemacht werden und gemacht werden müssen , hervorzuheben . Wir stehen gerade Alle auf dem Staad - puncte , daß wir das für den Augenblick Mögliche zu erreiche» suche» , daß wir uus darüber vereinigen , was für den Augenblick durchführbar

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