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XVI . Das Wahlgesetz .
Wilhelm Löwe .
16 . Februar 1849 .
St . B . VII 5242—5246 .
Meine Herren ! Es ist schon seit lange hier ans dieser Tribüne Sitte geworden , und fast Jeder , der das Wort ergreift , fühlt sich veranlaßt , eine und dieselbe Klage immer wieder von Nenein auszusprechen , eine und dieselbe Klage über dieses Haus : es ist die Klage über die tiefe Abspannung der Gemüther , über die tiefe Erlahmung alles geistige» Lebens , das früher in diesem Hanse gewesen ist . Jeder Tag unseres Lebens bestätigt die Klage , und doch , meine Herren , ist es nicht die nn - geheure Last der Arbeiten , die wir vollbracht haben , sind es nicht die Schwierigkeiten , die wir überwunden : es ist das Gefühl der Ermüdung , das den Wanderer ergreift , wenn er immer von einem Jrrgange in den anderen kommt und keinen Ausweg finden kann ; es ist das Gefühl der Ermüdung , weil er nicht weiß , wie nahe oder wie ferne sein Ziel steht . Wenn er sich aber sagen kann : diesen Weg mußt du gehen , und so kommst du aus Ziel , — dann ist ein großer Theil der Ermüdung von ihm ge - wichen , und neu gestärkt wird er demselben entgegengehen .
In diesem allgemeinen Wirrsale haben wir nns umherbewegt , wir Alle , meine Herren , — nicht die eine Partei mehr als die andere — weil wir im März in einen unvorbereiteten Znstand hineingetreten sind .
Wir hatten uns vor dem März über Vieles verständigt : welche materielle Freiheiten dem Volke noth thaten , wie wir diesen Znstand in den Einzelstaaten uns einrichten wollten ; aber wir hatten nns offenbar nicht vollständig darüber verständigt , wie wir den Bundesstaat , die Idee der deutschen Einheit , die uns Alle beseelte , ins Leben rufen und praktisch darstellen wollten . Deshalb kamen die verschiedenartigsten Vorschläge von allen Seiten , deshalb kam dies immerwährende Schwanken , deshalb dieser immerwährende Wechsel der Meinungen auf verschiedene» Seiten des Hauses , weil immer wieder verschiedene Entschlüsse je nach den ein - wirkenden äußern Ergebnissen , nach den hervortretenden Particulariuter - essen gefaßt wurden .
Es ist nun , nachdem wir an diesen Gegenstand , an das Wahl - gesetz , gekommen sind , in der That eine andere Erscheinung , die uns gewissermaßen befriedige» kann . .
Ueber das , was das Volk vo» einem Wahlgesetze verlangt , sind wir in der That nicht ohne Vorbereitung : es ist die ganze Geschichte der neneren Zeit , die ans diesen Punct vorbereitend gewirkt hat ; es hat in

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