XV . Die Verfassung . Schluß .
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fassung die Nachfolge des Beispiels von Nordamerica empfohlen . Wenn ich recht verstanden habe , so hat dieser Freund gesagt : die Fürsten müßten ihre rein fürstlichen Interessen opfern , — und das , meine ich , thun sie eben dadurch , daß sie sich eiuem Ober Haupte unterordnen solle» .
Er hat uuS ferner gesagt , das Oberhaupt , — . und «ach der ganzen Zusammenstellung des Briefes habe ich es so verstanden , als ob auch dieser Amerikaner darunter ein erbliches Oberhaupt sich gedacht hätte ; doch lasse ich das dahingestellt sein , aber er deutet doch immer darauf hin — das Oberhaupt müßte die Gewalt nicht mißbrauchen , um die Macht in seinem Einzelstaate zu vergrößern .
Ich sage : Wann befindet sich das Oberhaupt am Meisten in der Lage , die Madjt in seinem Einzelstaate zu vergrößern ? Doch dann , wenn Sie ihn nur lebeusläuglich au die Spitze stelle« . Und wenn seine Familie gar keine Garantien dasür hat , au die Spitze später wieder be - rufen zu werden , dann hat er alles Interesse dabei , das der Egoismus au die Hand geben kann , sich in seiner Hausmacht auszubreiten , und es kann selbst gerade ein patriotisches Interesse ihn dazu treiben : wenn er nämlich glaubt , seine Dynastie sei am Besten berufen , die Geschicke des Vaterlandes zu fördern . Er wird danu alle Mittel anwenden , um seine Dynastie in diese Lage zu versetze» . Dagegen aber hat er diese Motive »icht , wenn Sie ihn erblich berufen , wenn jeder Grund des Egoismus , der ihn zn solchen Handlungen treibt , für ihn wegfällt . Also gerade diese americanische Autorität bestärkt mich in meinem Satze .
Man sSchülerSt . B . VI 4695 ] hat uns ferner hingewiesen auf die Gleichheit vor dem Gesetze , und wenn Sie aus diesem Princip Etwas ableiten wollten für Ihren Satz , so müssen Sie annehmen , daß auch Niemand ein A m t bekleiden dürfe , weil der Beamte eine andere Stellung hat als derjenige , der ihm untergeordnet ist . Eben so wenig aber , als Sie die Ueberordnung eines Amtes über die Aemter , die ihm nnterge - ordnet sind , ausschließen könne» von dem Standpuuct der Gleichheit vor dem Gesetze u»d vom Standpunkt der Gleichberechtigung der einzelnen Staaten im Bundesstaate , eben so wenig werden Sie nun den Kaiser oder , wenn Sie ihn so nennen wollen , den Oberkönig deshalb nicht an - nehmen wollen , weil er eine andere Stellung hat wie die übrige» Fürste» . Ich de»ke , die Gleichheit vor dem Gesetze , die doch »ur eine ideale ist , ist nur so zu verstehen , daß Jeder Anspruch aus gleiche Behandlung vor dem Richter , nicht , daß er auch dieselbe LebeuSstelluug habe» soll .

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