III . Die provisvrische Centralgewalt .
Meine Herren ! Deutschlands Geschichte zeigt uns eine Vielheit und eine Einheit : Beides ist tief in nnserin Wesen verwachsen , Beides macht uns recht eigentlich zu dein , ums wir sind . Es gibt uns unsere Vorzüge , es legt unS aber auch die Nachtheile auf , die unsere Stellung zu den europäischen Völkern mit sich bringt .
Die Nachtheile leuchten zunächst ein : es ist klar , Deutschland ver - mochte nie eine eentralisirte Nationalkraft in die Wagschale zu legen wie Frankreich seit LndwigXl .
Aber es wird Ihnen eben so wenig entgehen , welche Vorzüge daraus erwachsen sind , daß Deutschlands Herz und Leben nie in eine einzige Hauptstadt hat zusammengedrängt werden können , sondern bis in die entferntesten Pnncte der Peripherie seine Thätigkeit äußert . Ich kann dies für ausgemacht annehmen , aber wichtiger und für Viele noch einleuchtender ist eine andere Thatsache .
Meine Herren ! Die große Mehrzahl des deutschen Volkes will seine staatlichen Besonderheiten nicht vernichtet wissen ! Stellen Sie mir nicht die Stimmung entgegen , die in einzelnen Theilen Deutschlands sich zeigen mag , vorzüglich da , wo diese Lande nie Bestandtheile einer großen Monarchie , einer alten Genossenschast gewesen sind , wo sie deren ruhmwürdige Erinnerungen nicht getheilt haben . Aber fragen sie nach in den größern Völkerstämmen , so werden Sie finden , daß die über - wiegende Mehrzahl nicht haben will , daß man damit beginne , ihre staatlichen Besonderheiten zu zertrümmern . Man will nnd wird dort gern die Haud zu Allein bieten , was die Eintracht befestigen , was unsere Wohlfahrt fördern und unsere Kraft nach Außen stärken kann , aber man verlangt , daß die Notwendigkeit vorher klar erkannt werde , daß nicht der österreichische , der bayerische , der preußische oder jeder andere deutsche Staat zuerst zertrümmert werde , um dann an den Trümmern zu experimentiren , welches neue Gebäude sich etwa daraus ausrichte» lasse .
Daher , meine Herren , — ich fasse diese Betrachtung zusammen — wird die Verfassung , der wir entgegensehen , beide Bedingungen zu erfüllen haben : sie wird der Selbstständigkeit volle Rechnung tragen müssen und über diese da»« die Einheit stellen .
Die Aufgabe ist schwierig , aber sie ist nicht unlöslich , wenn man den gute» Wille» allseitig hinzubringt . Dieser gute Wille , meine Herre» , hat früher oft und nur zu oft gemangelt , wenn es sich darum handelte , Opfer zu bringen für die Einheit Deutschlands . Es sind vielleicht Manche unter uns , die dies schwer genug empfunden haben , die alle Sehnsucht ihrrs Herzens , alle Kraft ihrer Handlung daran -

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