XV . Tic Verfassung . Schluß .
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Throne , so lange noch Einer vom Mannsstamine vorhanden ist ; indem es alle Jüngeren ausschließt , alle jüngeren Prinzen , so lange noch ein Aelterer da ist ; indem es endlich keinem Prinzen einen Theil am Genüsse der Herrschast vergönnt , bis die Reihe an ihn gekommen ist , überhaupt aber jedem Erbberechtigten nur das Ganze des Staates übrig läßt , in - dem es ihn jedes Anrechts an einen Staatstheil beraubt .
Und dennoch hat dieses System der Erbherrschaft neben so vielen Herbigkeiten auch seine zarte und in das innere Wesen der Menschheit dringende Seite . Nachdem es vor allen Dingen den Staat sicher ge - stellt hat , — denn der Staat muß in alle Wege die Hauptsache bleiben — führt es in das Staatswesen die Wärme der Familie ein , indem es die Herrschast an ein regierendes Hanpt knüpft .
Ich weiß gar wohl , meine Herren , daß ich hiermit , wenn ich das Lob der Erbherrschaft rede , eine Saite anschlage , die in den Augen Vieler von Ihnen längst zersprungen ist ; das aber hindert mich auf keine Weise . Erlauben Sie , daß ich eine schlichte Thatsache schlicht erzähle , die sich zu Ende des Jahres IL 12 in Mitteldeutschland begab .
Damals war der erste Strahl der Hoffnung nach Deutschland ge - drnngen , daß wir wohl des fremden Regiments erledigt werden mochten . Da fanden sich in Mitteldeutschland Volksversammlungen vornehmlich von Landlenten und Bauern zusammen . Man beredete sich , wie es zu - nächst werden solle . Darin waren Alle einig , die Fremden müßten ver - trieben werden ; aber solle man den alten Fürsten wieder aufnehmen , das war die Frage . Es begab sich , daß auch in einem Lande , ich will es lieber nicht nennen , wo der alte Fürst . i . Wilhelm 1 . von Kur - hessenj keineswegs gelobt und sonderlich geliebt war , — man wußte ihm Manches , was nicht zum Frieden diente , nachzureden — in der Schenke eines Dorfes diese Sache verhandelt ward . Viel war hin und her gesprochen worden : das Nein schien zu überwiegen . Da erhob sich unter beu Vielen ein Greis , der bisher nicht gesprochen hatte , und rief : „ Wahr ists , ein alter Esel , " so drückte er sich aus , „ ein alter Esel ist er , aber auf den Thron seiner Väter soll er doch wieder ! " "
( Starkes Gelächter auf der Linken . )
Sie lachen darüber , meine Herren , nnd ich sah dies so ziemlich voraus , und ich selber habe wohl darüber gelacht . Dennoch aber sehe ich iu dieser einfachen Geschichte noch etwas Tieferes . Ich sehe doch darin das Gewicht eines erblichen Fürstenhauses , wie dieses die Schwächen , die Fehler , selbst die Laster des einzelnen Individuums im Volksglaube« zu überbieten vermag .

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