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XV . Die Verfassung . Schlusj .
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weiche» zurück , die volle und breite Donau spiegelt nicht mehr deutsche Ufer .
Es genügt nicht , staatsinänmsche Pläne ausznsinnen und abzn - inessen , man muß sich iu die Anschauung , in das Land selbst versehen , man muß sich vergegenwärtigen die reiche Lebenssülle Dentsch - Oesterreichs . Welche Einbuße wir an Macht , an Gebiet , an Volkszahl erleiden würden , das ist hinreichend erörtert ; ich füge nur Eines bei : Deutschland würde ärmer um alle die Kraft des Geistes und Gemüthes , die in einer deutschen Bevölkerung von acht Millionen lebendig ist .
Ich glanbe , meine Herren , daß , wenn wir mit einem Bundesstaat ohne Oesterreich nach Hanse kommen , unser Werk nicht überall wird gelobt werden ; ich glaube dieses namentlich von dein südlichen Deutsch - laud sagen zu können , wo zwischen der dortigen Bevölkerung und der österreichische» eine nahe Verwandtschaft der Natnranlagen und der ge - schichtlichen Erinnerungen obwaltet . Schonen Sie , meine Herren , das Volksgefühl ! Ich werde gegen meinen Landsmann , der vor mir gesprochen hat , iRümelin S . 420—430 ] , keinen Bürgerkrieg führen , aber ich glanbe doch sagen zu können , daß auch meine Gesinnung in dieser ziehung nicht in der Lnst hängt .
Wir wollen , meine Herren , — gestatten Sie zum letzten Mal ! — einen Domban . ss . v . Beckerath St . B . I 135 . 1 " Wenn unsere alten Meister ihre riesenhafte« Münster aufführten , der Vollendung des kühnen Werkes ungewiß , so bauten sie den einen Thurm , und für den anderen legten sie den Sockel : der Thurm Preußen ragt hoch ans , — wahren wir die Stelle für deu Thurm Oesterreich ! Der Thurmspitzeu haben wir freilich eine große Zahl , — ich will mich anders fassen . Mitten in der Zerrissenheit dieser Versammlung war mir das ein erhebendes Gefühl , daß , so sehr wir uuS oft gegen einander aufbäumen , wir noch durch das nicht mehr zu brechende , im Volksbewußtseiu gefestigte Gebot der deutschen Einheit wie mit eisernen Banden zusammengeschmiedet sind : trennen Sie Oesterreich ab , so ist das Band zerschlagen .
Zum Schlüsse , meine Herren , verwerfen Sie die Erblichkeit , schaffen Sie keinen herrschenden Einzelstaat , stoßen Sie Oesterreich nicht ab , retten Sie das Wahlrecht , dieses kostbare Volksrecht , dieses letzte fort - wirkende Wahrzeichen des volksmäßigen Ursprungs der neuen Gewalt ! Glauben Sie , meine Herren , es w i rd kein Haupt üb er Deutschland leuchten , das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Oels gesalbt ist !
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