Full text: Reden und Redner des ersten deutschen Parlaments

XIV . Das v Gagcrnjche Proljramm 
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Interesse genügt und die Hoffnung unserer nationalen Eutwickeluug eitelt wird . Selbst diejenigen Oesterreicher , welche wohl am Meisten eingeweiht sind in die Ansichten , welche jetzt in ihrer Heimat die herrschenden sind , sie werden behaupten , — nnd ich fürchte keinen Widerspruch — daß der Eintritt Oesterreichs mit seinen deutschen Provinzen in den deutschen Bundesstaat nur dann möglich und wünschenswerth sei , wenn zugleich ein so inniges Unionsverhältniß zwischen Deutschland und den übrigen , nichtdeutschen Theilen der österreichischen Monarchie eingegangen würde , wie es , fürchte ich . das ; es eingegangen werde , diese nichtdentschen Provinzen nicht wollen . 
Wie dem aber auch sei , ich habe die Schwierigkeiten bezeichnen Wüllen , ich kann sie hier nicht zu lösen versuchen . Sic werden dann zur weiteren Erörterung und Lösung kommen , wenn Sie mir die Antorisation ertheilen , die ich von Ihnen erbeten habe , um , wenn möglich , dazu beizutragen , das ; in gewissenhafter Weise versucht werde , die Schwierigkeiten zu beseitige« , die gegen den Eintritt der deutsch - österreichischen Provinzen in den Bundesstaat vorliegen , oder aber das Verhältnis ; Gesammtösterreichs zn Deutschland zu regeln . 
Einen Znstand herbeiführen zu wollen , der auf der Voraussetzung der Auflösung der österreichischen Monarchie beruhen würde , das , meine Herren , kann mir nicht zngemnthet werden : ich habe bereits früher jSt . B . VI gesagt , daß ich eben so , wie das österreichische Ministerium es jetzt selbst thnt und , wie ich glaube , die Mehrheit des österreichischen Volks , daß ich den Fortbestand der österreichischen Gesammtmonarchie in staatlicher Einheit für ein europäisches wie für ein deutsches Bedürfnis ; erkenne . Ich kann also eine Politik nicht vertreten , die im Widerspruche mit dieser Ansicht steht , und müßte vor einer solchen Auflage zurücktreten . So lange jene Ansicht in Oesterreich besteht , — und sie möge noch lange bestehen — so lange halte ich es nicht für bnndeSgenössisch , noch für patriotisch , noch für politisch , die Auflösung dieser Monarchie als eine Eventualität bei der etwaigen Verhandlung ins Auge zn fassen . 
Man [ Vogt St . B . VI 4632 ] hat zwar heute Morgen gesagt , Niemand in Oesterreich wolle mehr dieses Fortbestehen der Monarchie in staatlicher Einheit . : weder die Nordslaven noch die Südslaven , weder die Ungarn noch die Croaten , weder die Galizier noch die Italiener . 
Daß einige dieser Volksstämme die staatliche Einheit nicht wollen , das ist so ; daß aber die Mehrheit der Bevölkerung in der österreichischen Monarchie deren Fortbestand in staatlicher Einheit will , nnd die Monarchie
	        

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