XIV . Das v . Gagcrnsche Programm .
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Beweis liefert , wie die Ausscheidung Oesterreichs aus dem Bundesstaate zunächst unser Verfassungswerk vernichtet , sodann Deutschland nicht bloß theilt , sondern auch ins Neiderben stürzt .
Allein es könnte auch eine andere Saite dieser Frage berührt werden , uud wenn man diesen Ton anschlüge , so glaube ich , würde jede Faser eines deutschen Patrioten lebendig bewegt werden . Ich habe diese Saite nicht angeschlagen , ich will sie nicht anschlagen ; aber Eines lege ich Ihnen nochmals ans Herz : welche Form Sie für das oberste Reichs - regiiueut auch wähle» werden , keine paßt ganz , — die Elemente sind eben zn verschieden . Die einzige , die stärkste Hoffnung bei vielen denken beruht darauf , daß uns wesentliche Interessen zusammenbinde« , und daß , wenn wir die Organe für die Fortbildung haben , das , was mangelhaft iu der Form ist , allmählich verbessert werden kann und ver - bessert werden wird .
Deshalb , meine Herren , bitte ich Sie , blicken Sie mehr ans den Boden als ans die Spitze ! Die Bäume wachse» von Unten nach Oben , nicht von Oben nach Unten , von der Erde zum Himmel und nicht vom Himmel znr Erde . Haben Sie einen gut bereiteten Boden , so wächst Ihnen darauf auch ein tüchtiger Baum mit einer mächtigen Krone , nnd auch ich liebe diese gewaltigen , weithin schattenden Kronen .
Also , ich bitte Sie , blicken Sie znnächst ans den Boden , blicken Sie auf de» Boden Ihres Vaterlandes , »»d vor alle» Dingen , meine Herren , beschwöre ich Sie :
Zerreiße« Sie deu Bode» Ihres Vaterlandes nicht !
I'
Heinrich Freiherr v . Gagern .
13 . Januar 18 - 19 .
St . B . VI 4Ü4li - 4 ( ) I>2 .
Ich hoffe , meine Herren , daß es mir in dieser wichtigen Berathnng den Standpnnet festzuhalten gelingen werde , der mir während meines ganzen Lebens der natürliche war , daß ich nicht irgendeinem deutschen Nolksstamme zu Liebe oder zu Leide rede , daß kein Stammesinteresse mich leiten soll , daß ich nur das ganze Volk , das Vaterland im Auge behalte .
Es ist , wenn ich es nicht bloß der Aufregung des Augenblickes zuzuschreiben hätte , eine niederdrückende Wahrnehmung , daß selbst in diesem Saale , wo wir nur das große Ganze repräsentiren sollen , daß

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