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XIV . Das v . Gagernsche Programm
Man wendet vielleicht ein : diese papierne Bestiinninng wird sich in ihr Nichts auflösen gegen die wirklichen Mächte der geeinigten österreichischen Monarchie , welche , wie jede Macht , nach möglichst freier Bewegung nnd Kraftäußernng streben würden .
Dagegen wäre zu sagen , das ; schon das Interesse , was das einmal vereinigte Oesterreich nnd Deutschland an einander binden wird , vor einem offenen Verfassungsbrüche abhalten wird .
Dann knüpfe ich aber hieran auch noch folgende Betrachtung : Oesterreich , ganz auf sich zurückgedrängt , wird durch eine gewisse Naturuothweudigkeit zu deu vollen Conseqnenzen einer einheitlichen Monarchie in einiger Zeit getrieben werden . Vielleicht , daß eS diesen Gedanken eine Zeit lang in der Herstellung einer , mehr oder minder absoluten Staatsform zu erreiche» sucht , da ich eine Äolksvertretnng aller österreichischen Volker , so das ; der Italiener , Croate , Magyare , Deutsche und Pole neben einander säße , für einen ganz ungesunden nnd ans die Daner unhaltbaren politischen Gedanken halte , man mag sich diese Vertretung für das gesaminte politische Leben oder nur für das dein Bundesstaate augehörige gemeinschaftliche Element be - stimmt denken .
Im Anschluß mit Deutschland dagegen glaube ich , daß die Gleich - berechtigung der Rationen des Bundesstaates in Oesterreich unter constitntionellen Formen eine Wahrheit werden kann . Bei der Ver - schiedenheit der nationalen Richtungen wird dem Sonderleben der Staaten das Meiste zufallen , nur einzelne wenige Gegenstände werden in das Bereich des österreichische» Bundesstaates fallen . Hierfür aber wird allein ein österreichisches Gesammtministerinm das entsprechende Organ sein , nnd es wird sich bald herausstellen , das ; es nicht anders sein kann . Die uichtdeutscheu Völker Oesterreichs müssen in dieser Be - Ziehung den Gewinn an Macht nnd sonstigen Vortheilen , den sie durch die fremdartige , aber mächtige Verbindung zu dem Gesammtstaate Oesterreichs haben , eintauschen gegen ein Opfer an Freiheit in diesen gemeinschaftlichen Beziehungen . Also ein gemeinschaftlicher Reichstag für ganz Oesterreich in Betreff , der gemeinschaftlichen Angelegenheiten wird uns schwerlich — wenigstens nicht lange — Conslicte bereiten , nnd das wäre das Hanptbedenken .
In dem eben angedeuteten Sinne , glanbe ich , müssen die §§ 2 nnd 3 des Verfassungsentwurfes >S . 208 und 322 ) inodisieirt werden . Es liegt hierin ein wesentlicher Unterschied . Die ungeheuren praktische» Unterschiede wäre» leicht u'achzuweisen , mich § 2 und 3 würde überdies

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