XIV . Das u . Gagernschc Programm . 357
und ganz fremdartige , nie zu uns gehörige große Völkermassen auf ein - mal aufzuuehineu , finde ich bedenklich . Hüte» wir uns , es zu inachen wie das bekannte Thier in der Fabel , welches den wirklichen Besitz des kleineren Stückes Fleisch fahren ließ , um nach dem größeren zu schnappen , dessen Schatten vor ihm vorüberzog .
Wenn dieser Pnnct abgethan ist , so hat man sich hauptsächlich noch über zwei Pnncte zu verständigen .
Zunächst : Wie kann man es sich denken , daß derselbe Theil , die dentsch - österreichischen Provinzen , zn gleicher Zeit ein organisches Glied des österreichischen Bundes - staats nnd nach der andern S - . 'ite ein organisches Glied des deittschen Bu»desstaates sind ? Das ist gewiß die schwierigste Frage .
Es liegt zunächst so viel klar vor , daß , wenn Sie annehmen , es eonstruirten sich beide Bundesstaaten in der Weise , daß jeder in das Bereich des Gemeinschaftlichen dieselben Gegenstände zöge nnd keine re - lative nnd partielle Unterordnung eines unter den andern stattfände , eine solche organische Verbindung absolut undenkbar wäre . Es wäre rechtlich eben so undenkbar , als es physisch undenkbar ist , daß mein Arm zu gleicher Zeit der Arm eines Andern sei .
Es bleibt also nichts Anderes übrig , als daß Deutschland ent - schieden darauf bestehen muß , daß in die Verfassung der deutsch - öster - reichischeu Provinzen und , wenn Sie wollen , auch in die Verfassung des ganzen österreichischen Kaiserstaates eine Bestimmung aufgenommen werde , etwa dahin gehend , daß in allen Angelegenheiten , welche in das Bereich der deutschen Verfassung fallen , die Bestimmungen des Bundesstaates unbedingt maßgebend sind für die deutsch - österreichischen Provinzen , und daß dieselben in dieser Beziehung nicht gehindert werde» können durch ihre anderweite Staats - Verbindung .
Das ist der einzige Anskuustsweg : auf diese Bestimmung muß Deutschland eingehe» imd auch Oesterreich . Dasselbe ka»» es a»ch unbeschadet seiner Stellung um so leichter , als die Einschränkung nur partiell ist , partiell in Betreff des Gegenstandes und partiell in Betreff des Territoriums , 1111b , als es sich nicht einem fremden Staate unter - ordnet , sonder» nur die Wirksamkeit eines Staatskörpers anerkennt , worin es selbst zu dem betreffenden Theile mitlebt und - wirkt , nnd zwar in allen seinen Factoren , in der obersten Regierung , im Staaten - nnd Volkshaus .

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