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XIV . Das v . Gagernfchc Prvgraiilin^
Volkes aus , es empfindet , wie nothwendig ein solches Ganze ist , nnd wie nützlich für alle Theile ; und sind wir erst so weit , so reißt nns keine Macht der Erde ans einander .
Wie sehr dies verkannt wird , erkenne ich an zwei Dingen : einmal daraus , das ; man die Frage um die Spitze stets in erste Linie stellt , während sie offenbar , wie wichtig sie auch ist , in zweite Linie gehört ; dann an der bei so Bielen [ z . A . bei Jordan St . B . VI im Hintergrund lauernden Furcht , daß wir wieder in das Schlepptau der habsbnrgischen Politik im alten Sinne genommen werden könnten .
Denen , die so fürchten , könnte man mit dem Worte antworten , welches Dahlmann neulich [ S . 312 ) brauchte : „ Sie gleichen den ungeschickten Fechtern , die immer da parken , wo sie den letzten Stoß erhalten haben . " Man könnte aber auch sagen : „ Ans Furcht vor dem Balg des erschlagenen Löwen sehen sie den lebendigen Leoparden nicht , der in ihren Reihen kämpft . "
Der Balg des erschlagenen Löwen ist die Bundesverfassung nnd das alte System , das nicht mehr besteht . Dieses allein machte es möglich , daß das ganze Oesterreich in die Wagschale des Bundestages fallen konnte , nnd überdies allein vertreten durch die Dynastie . Es war kein Gegengewicht gegeben in ganz Deutschland nnd durch die Bnndesver - sassnng , davon zu schweigen , das ; wir fciuc Volksvertretung hatten , daß >nach Art . VII Abs . 4 der Bnndesacte vom 8 . Jnni 1815 ] * Ueberein - stimmuttg in den wichtigsten , namentlich Versassungsfragen nöthig lvar , nnd von vielen andern ähnlichen Dillgen noch zu schweigen , die Ihnen ja vollständig bekannt sind . Das ist denn doch wesentlich geändert , und welche Bedeutung auch in der Zukunft das oberste Reichsregimeiit haben mag , das Hauptgewicht wird immer im Staaten - nnd Bolkshanse liegen : hierhin fallen aber nur die dentsch - österreichischen Provinzen .
Schon diese Betrachtung stellt sich mir jenem weit gehende« Ver - eilligungsgedanken entgegen .
Es kommt noch ein zweiter Grund hinzu : die eigentlich gesunde Grundlage eines jeden Staatslebens bleibt doch immer die Nationalität .
Ich weiß wohl , es hat jeder große Staat sich fremdartige Kräfte in kleineren oder größeren Massen amalgamirt , nnd um so leichter lind besser vollbringt er dies , je freiheitsliebender sein politisches Leben ist . So werden auch wir in der neuen politischen Richtung nns noch voll - ständiger die Bestaudtheile amalgamiren , welche durch die Weihe der Geschichte schon mit Deutschland vereint sind ; aber weiter zu gehen
* Nicht nach Art . VI , wie v . Wydenbrugk S . 351 ) annimmt .

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