XIV . Das v Gagernsche Programm .
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wir hätten bann für den Bundesstaat etwas Homogeneres . Allein , meine Herren , das ist nun einmal nicht anders : die Kleinen können sich nicht größer machen , als sie sind , und die Großen werden nicht Lust haben , sich kleiner zu machen . Wie nun die Dinge einmal liegen , so sehe ich meinerseits es noch immer für einen homogeneren Staatsbau an , wenn zwei größere balancirende Mächte vorhanden sind , verbunden durch andere von verschiedener Größe , als wenn mir ein hervorragender Staat unter viele kleine nnd mittelgroße tritt .
Ich begreife es , wenn Männer , welche es redlich mit Deutschland meinen , sich dein Gedanken der Einheitsmonarchie zuwenden . Aber , meine Herren , die , welche nach solchem Ziele streben , müssen es offen thun und dafür wirken , bis die Frncht reif ist nnd gepflückt werden kann . Nun nnd nimmermehr billigen kann ich es . daß man diesen Gedanken , wenn ich so sagen darf , einschmuggele in die Verfassung , in den Hintergrund der Verfassung wie ans die Lauer lege , damit er im Laufe der Jahre sich allmählich geltend mache ans allerhand Umwegen nnd bei allerhand Eonslicten .
Hierbei ist die Gefahr weit größer , daß unter einer nicht auf« richtig gemeinten , krankenden Staatsfonn diese selbst nnd mit ihr viel - leicht das Vaterland zu Grunde geht , als daß einer oder der andere Staat seine Selbstständigkeit verliert ; denn wenn Sie diesen Weg ein - schlagen , dann rufen Sie ans der einen Seite Streben nach größerer eigener Macht , auf der anderen Unfolgsamkeit , Unbehagen , Mißtrauen und alle widerwärtige» Kräfte auf , welche das Staatsleben krankend nnd siechend machen .
Es mag sein , daß man jetzt vielleicht nicht daran denkt ; aber der angleiche Aerfassungsbau wird diese Richtung hervorbringen , nnd der Zug der Dinge ist oft stärker als die anfänglichen Meinungen der Menschen . Täuschen Sie sich auch nicht , und lassen Sie sich nicht in Ihrer tieferen politischen Einsicht beirren durch Stimmen , welche in diesen Tagen hie und da im Volke laut werden : die Massen des Volkes sind zum Theil ermüdet , zum Theil durchaus eutmnthigt , sie sehnen sich nach Ruhe , und die Masse greift ohnehin gerne dahin , wo sie eine äußere Macht sieht , und denkt weniger an die inneren , anfangs still wirkenden nnd dann um so mächtiger hervortretenden Kräfte .
Nun , meine Herren . Sie können allerdings durch eine äußere Ge - walt momentane Schwierigkeiten überwinden , Sic können durch so und so viel Bajonette einzelne kleinere widerstrebende Staaten zwingen . Allein glaube« Sie nicht , daß damit der Bundesstaat inneren Halt bekommt :

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