Full text: Reden und Redner des ersten deutschen Parlaments

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XIV . Das v . Gcigcrnsche Programm . 
zweifelhaft ; aber wenn es überhaupt invalid ) ist , gewiß nur dann , wenn Sie die Dinge nicht ans die Spitze treiben und gerade bei der Frage um die Spitze die größten Kräfte in Deutschland nicht feindlich ein - ander gegenüberstellen . 
Wenn Sie dieses nicht beachten , so wird entweder das Ver - fassnngswerk in Ihren Händen sofort scheitern , oder Deutschland wird dem Bürgerkrieg entgegengesührt , durch den wir , falls wir nicht theil - weise dem Auslande als Beute zufallen , doch viel weiter von der Idee der Nationaleinigung entfernt werden , als wir znr Zeit des Bundes - tages davon entfernt waren . 
Wie aber der Weg , der jetzt eingeleitet werden soll , dahin führen soll , daß wir in diesen Conslict nicht kommen ; wie er sich — so sagte man — an das Bestehende anschließen soll , vermag ich absolut nicht einzusehen . 
Wenn wir in allen großen praktischen Fragen uns der Nation ent - fremdet haben , wie mögen wir bei der Frage um die oberste Ge - walt hartnäckig eine Idee durchführen wollen , ivelche " gerade die nn - geschwächte , volle Hingebung der Nation an die Nationalversammlung erfordert ? Denn es handelt sich darum , daß wir bei dieser Frage die Einheitsidee aus die Spitze treibe» solle« : dies muß dahin führen , daß die zwei größten Mächte in Deutschland und , was sich um jede der - selben gruppirt , gegenseitig in Conslict gerathen . 
Um dies z» vermeiden , ist keine andere Möglichkeit , als in die gemeinsame Negierung des BnndeSstaates die mächtigsten Staaten ein - treten zn lassen in der Weise , daß wir das Präsidium zwischen Oester - reich und Preußen wechseln lassen , dem Präsidenten aber mit einem besondern Namen auch eine besondere bevorzugte Stellung geben , in welcher er Deutschland dem Auslände gegenüber allein vertritt und den lausenden Negiernngsgeschästen mit einem verantwortlichen Ministerium allein vorsteht . 
Die Frage , von welcher wir jetzt sprechen , hat offenbar die größte Verwandtschaft mit der Oberhauptsfrage . Insbesondere haben wir nns über den höheren Gedanken Rechenschaft zn geben : ob es denn wirklich unmöglich ist , daß zwei so große Staaten wie Oesterreich und Preußen in einem Bundesstaate neben einander stehen , ob wir entweder den Bundesstaat oder den Eintritt einer dieser beiden Mächte in den - selben aufgeben müssen ? 
Allerdings wäre es einfacher und natürlicher , wenn in Deutsch - land die Kleineu etwas grhßc'r und die Großen etwas kleiner wären , —
	        

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