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XII . Die Verfassung . Fortsetzung .
eindringende Worte gesprochen , wie sie eines Mannes würdig sind , der die großen Lebensfragen nicht allein nach einer Theorie ansznstnhen , sondern in ihrer wahren Lebenslage zu behandeln , zu gestalten versteht . In Wahrheit , dieses entscheidende Veto ist das unzertrenn - liche Merkmal jeder wahrhaftigen Regierung , ^ und wenn einer mir einwenden wollte , es sei denn doch das entscheidende Veto für die repnblicanische Regierungssorm auf keine Weise geeignet , so würde ich bloß aus dieser Einwendung die Behauptung entnehme« : wenn dem so sei , so sei das ein Beweis mehr für die große Wahrheit , daß die monarchische Regierungsform weit höher steht als die republicanische . Und dieser Meinung bin ich wirklich ans vollster Ueberzengung und würde nicht anstehen , den Beweis davon zu führen , und ich glaube , er würde mir * glücken , wenn dazu hier der Ort wäre .
Die ganze Frage vom Veto zwar — das will ich gern zugestehen — ist au sich mehr idealer als rein praktischer Natur . Das Beispiel Englands ist bekannt : bekannt , daß seit den Zeiten der Königin Anna [ 1702—1714 ] , also seit anderthalb Jahrhunderten das Veto dort wirk - lich nicht mehr ist angewendet worden . Dennoch wage ich zu behaupte« , es würde in England Manches naturgemäßer , Manches menschlich richtiger und auch staatgemäßer gehen , wenn nicht die praktische An - Wendung des Veto dort fast unmöglich geworden wäre .
Denn stand es z . B . wirklich in England staatgemäß ini Jahre 1783 , als damals die berühmte ostindische Bill von Fox und Bnrke und anderen politischen Freunden angefertigt wurde , eine Bill , welche ganz augenscheinlich dahin ging , die Regierung über das große ost - indische Reich fortan recht eigentlich in die Hände des englischen Parlaments hinüberzuspielen ? Als damals über zwei Trittheile des euglischeu Unterhauses sich für die ostindische Bill erklärten , als auch das Haus der Pairs schwankte , stand es da staatgemäß in England , als König Georg III . [ 1760—1820 ] , weil er seine Krone schwanken sah und dennoch nicht wagte , das in Vergessenheit gerathene königliche Veto daran zu stecken , als er da den Pairs , jedem einzelnen Pair sagen ließ , er werde denjenigen als seinen Feind betrachten , der für die Ost - indienbill stimmen würde ? Das war ein Veto , aber Sie werden gewiß nicht sagen , daß das ein staatgeniäßes Veto gewesen wäre . Oder späterhin , als es die Emancipationssrage der Katholiken galt und König Georg III . in seiner Gewissensbedrängniß kund gab , er werde seine Krone niederlegen , wenn diese Emancipation durchgehe , war das nicht auch ein Veto , aber war es staatgemäß ?
* St . B . VI 4096 : nur .

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