XI . Tie preußische Politik .
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Bei den Conslieten zwischen Freiheit und Ordnung ist man freilich noch immer daran gewöhnt , die Ordnung als Sache der Regierungen , die der Freiheit als die des Volkes aufzufassen . Ich glaube , diese Auf - fasfung ist eben nichts als die Frucht der alten knechtischen Zustände , wo die Ordnung eine uns von Oben aufgedrungene , nicht eine aus dem Volke selbst durch das Organ des freien Gesetzes entsprossene war . Die - jenigen , die jenen Standpunct noch immer nicht aufgeben wollen , scheinen die neue Zeit nicht zu begreifen und in den alten Vorstellungen befangen zu sein .
Wir , die wir in manchen Fällen auf der Seite der Ordnung gegen die Anarchie kämpfen zu müssen glauben , wir schöpfen die Liebe zur Ordnung eben so gut ans dem Herzen des Volkes , ans seinen In - terefsen , seinen Neigungen , seinen Bedürfnissen wie die Liebe zur Freiheit . Ich habe gegenüber meinen Wählern eben so gut von gesetzlicher Ordnung wie von Freiheit gesprochen , und ich werde niemals anders zu ihnen sprechen ; ich würde aber auch bereit sein , — verzeihen Sie mir diese persönliche Bemerkung , da eine meiner früheren Aeußerungen in diesem Sinne . 194 und 195 von L . Simon S . 204 ] arg mißdeutet wordeu ist — ich würde bereit sein , mein Mandat niederzulegen , wenn ich mich jemals überzeugen sollte , das ; die Art , wie ich die ausgesprochenen Grundsätze von Freiheit und Ordnung in diesem Hause zur Anwendung bringe , von der Mehrheit meiner Wähler gemißbilligt würde .
Ein anderer Grund des Zwiespalts in diesem Hanse liegt in der verschiedenen Art , wie wir die im März dieses Jahres errungene Frei - heit auffassen .
Ich zähle mich zu denen , die in den EntWickelungen dieses Jahres die Erfüllung langjähriger , innig gepflegter Hoffnungen des deutschen Volkes , die in ihnen den Preis der heißen Kämpfe eines Menschenalters erblicken , in denen die Besten und Edelsten unseres Volkes uns voran - gegangen sind , die aber nicht glauben , das ; mit dem März dieses Jahres eine ganz ueue Art von Freiheit , ganz neue Bedingungen der gesellschast - lichen Ordnung zur Welt gekommen sind . Ich glaube nicht , das ; die freisinnigen Bestrebungen der dreißig Jahre seit dem Befreiungskriege im Geiste des constilutiouelleu Lebens , daß alle die Kämpfe für die Freiheit und Einheit eine dreißigjährige Komödie waren , wie man es in einem Nachbarlande einst allsgedrückt hat ; " ich bin vielmehr der Meinung , das ; die während dieser Zeit erstrebten und jetzt errungenen Freiheiten , daß das Recht der Association , der freien Presse und einer wahren umfassenden Volksvertretung echte , hohe Güter sind , deren Besitz

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