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XI . Die preußische Politik ,
Vielen zu mißfalle« — diese Macht halte ich nur für eine moralische und nicht ftir eine materielle .
Ich glaube , es liegt dies in der Natur der Sache . Wir wollen einen Bundesstaat bilden , d . h . wir wollen die Kräfte der einzelnen Staaten in einen gemeinsamen Mittelpunkt nach freier Uebereinkunft , nach dem freien Willen des deutschen Volkes zusammenfassen . Wenn aber jene Kräfte , die erst uach beendigter Verfassung , und auch dann nur allmählich , — denn der Schwerpnnct materieller Macht , bisher in den Einzelstaaten liegend , wird nicht in einem Augenblick zu verrücken und neu zu begründen sein — der Gesammtheit angehören werden , jetzt , während wir am Werke sind , in furchtbarem Hader seiudlich zusammenstoßen : mit welcher materiellen Macht wollen wir sie bändigen und den Frieden ge - bieten , da unsere werdende Kraft doch eben ihnen selber erst erwachsen soll ?
Wir haben deshalb bei den traurigen Kämpfen , die unser Vater - land zu zerreiße» drohen , nur eine moralische Macht , ans Freiheit , rechtigkeit und Mäßigung gegründet , geltend zu machen . Geben wir uns keiner Täuschung hin : wir vermögen nicht durch ein Wort Tauseude von Bewaffneten in Bewegung zu setzen , um den Kämpfenden unsere Entscheidung als Gesetz vorzuschreiben ! Aber über die Art , wie wir diese moralische Kraft hätten verwenden und fester begründen sollen , herrschen in dieser Versammlung verschiedene Meinungen , und damit hängt die Stellung der verschiedenen Fraktionen dieses Hanses auch zu der gegenwärtige« Frage so innig zusammen , daß ich mir erlauben werde , zum Schlüsse einige Bemerkungen darüber vorzutragen .
Von Anfang an hat ein Theil dieser Versammlung uns dahin drängen wollen , daß wir uns ausschließlich auf die auflösenden Elemente der einzelnen Staaten , auf denjenigen Theil ihrer Bevölkerung , der ihre« Gesetzen de« Gehorsam aufgekündigt hat , stütze» , daß wir mit diesen allein oder hauptsächlich das Werk der Einheit , unsere Hauptaufgabe , auszuführen suchen sollen . Wir haben diesen Weg nicht eingeschlagen , und ich glaube , wir habe» au diesem Scheidewege recht gehandelt im Sinne unseres Werkes ; denn ich bezweifle sehr , daß alle diejenigen , die den Gesetzen der Einzel - staaten den Krieg erklärt hatten , bereit gewesen wären , dem Gesetze der Gesammtheit sich willig nnterznordnen . Ich meine , wir sollen für das Werk der Einigung Deutschlands alle Kräfte , nicht bloß die des raschen Fortschritts und der heftigen Bewegung , fondern auch die der Ordnung und des Friedens , zu gewinnen streben .
Diesen Standpunkt müssen wir auch in dem gegenwärtigen schweren Moment unserer Wirksamkeit inne hallen .

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