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XL Die preußische Politik
daß dieses bestimmte Wort nicht ein Wort der Leidenschaft und Parteilichkeit , sondern der Gerechtigkeit und Wahrheit sein soll .
Unser Beschluß vom 14 . ist , wie mau >L . Simon S . 277 ] sagt , auch von der extremen Regierungspartei als ein ihrer Sache günstiger aufgefaßt worden . Wenn dem so ist , so ist es nicht das erste Mal , daß das eine Extrem der politischen Parteinng dem entgegengesetzten Extrem eine falsche Anschauung entlehnt hat .
Ich gebe zu , daß nach der Weise , wie unser Beschluß in dieser Versammlung bekämpft worden ist , man wohl dazu gelangen konnte , ihn als einen der Regierung günstigen aufzufassen ; ich glaube aber nicht , daß bei einer unparteiischen Prüfung desselben sich ein solches Resultat ergebe» wird . Wenn wir das entschiedene Verlangen aussprachen , daß das Ministerium gewechselt und damit einer der gewichtigste» Gründe der Besorgnisse , die in Preußen vorherrschen , hinweggeräumt werde , so haheu wir uns wahrlich nicht auf die Seite der Regierung gestellt . Wir haben aber auch der Regierung das Recht der Verlegung der Ver - sammlnng nicht zugesprochen , wir haben vielmehr — ohne die theore - tische Rechtsfrage zu entscheiden , was mir nicht unseres Amtes zu sein scheint , da wir nicht weiter einzugreifen haben , als das Heil Preußens und Deutschlands erfordert — die Aushebung der Verfügung unter einer hinlänglich gerechtfertigte» Bedingung verlangt .
Ich gebe nun zu , meine Herren , daß die gemeine Klugheit ein anderes Verfahre» erheischen konnte , daß wir eine vorteilhaftere Lage einnehmen würden , wenn wir uns zu einer der beiden kämpfenden Parteien schlügen ; ich gebe zu , daß in unserer parteilosen Stellung eine große Gefahr liegt . Ich kann es mir nicht verhehlen , daß , wenn die Stimme der Mäßigung und des Rechts überhört , wenn diese große heit durch die Gewalt entschieden würde , daß es dann , wie die Würfel auch fallen , um den Einfluß dieser Versammlung im Ganzen schlecht stehen würde : siegt die Gewalt ohne unser Zuthun über die preußische Krone , so gebe ich die Wahrscheinlichkeit zu , daß sie auch diese Ver - sammlnng überflute» werde ; triumphirte vollends die Reaction , kehrten die alte» , tra»rige» Zustände in Preußen wieder , — was ich freilich für unmöglich halte — so würde auch unsere Versammlung , ein Erzeugniß der Freiheit , sicher verloren sein . Und dennoch weiß ich , dieser deutlich erkannten Doppelgefahr gegenüber , keinen anderen , weil keinen würdigeren Weg für diese Versammlung als den des Rechtes und der Unparteilich - keit ; ich weiß kein Mittel des Heiles für diese Versammlung , weil keines für das Vaterland , als daß der Conflict ohne Gewalt , auf friedliche ,

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