272 XI . Die preußische Politik ,
Wenn man also einen blutigen Zusammenstoß befürchten mußte , und wenn man von Seite der Versammlung gegen eine genügende Eni - saltnng von Truppen den entschiedensten Widerspruch besorgen mußte , so war doch der gewählte Weg gewiß unblutiger : es war das mildeste Mittel , die Versammlung nach Brandenburg zu verlegen , um sie dadurch von den Wühlern und den ihnen folgenden Banden zn entfernen .
Man sv . Wydenbrngk St . B . V 32841 hat gesagt , der richtige Moment hierzu wäre versäumt , man hätte sofort , gleich nach dem 31 . Oetober / " einschreiten müssen !
Allein ich glaube , die Krone hatte sich doch erst nmznsehen , um ein Ministerium zu finden , das ihre Befehle ansführen und die antwortlichkeit der Maßregeln über sich nehmen wollte Dafür bedurfte sie doch gewiß des eben nicht langen Zeitraums vou acht Tage» .
Nun frage ich : Warum fügt sich denn die Nationalver - sammluug nicht der Maßregel ? Warum geht sie nicht nach Brandenburg , wohin sie anf der Eisenbahn in zwei Stunden gelangen kann ?
Sie werden mir entgegnen , es sei dies gegen die Würde der Versammlung .
Ich glaube , die Würde einer Versammlung beruht zunächst darin , das zu erfüllen , wozu sie vor Allem berufen ist , nämlich zur barung mit der Krone , um dem Lande die ersehnte Verfassung zu geben !
Sie mögen von dem Rechte halten , was Sie wollen , Sie müssen zugeben , daß das Recht , welches die Versammlung in Anspruch nimmt , mindestens ein äußerst zweifelhaftes war , und daß es sich nicht recht - fertigen läßt , eine Spaltung zwischen der Volksvertretung und der Krone , die den Frieden aus lange Zeit stören kann , herbeizuführen , nur um ihre Würde zu wahren und einen zweifelhaften RechtSpnnct in Schutz zu nehmen .
Man ist noch weiter gegangen . Man hat , was in cvnstitntivnellen Ländern nicht zulässig ist , und was einer bloß verfafsnngvereinbareuden Nationalversammlung vollends verboten war , mit einer Proclamatiou sich sam 13 . Novembers an das Volk gewendet und dadurch die höchste Exekutivgewalt selbst iu die Hand genommen ; man hat die Beamten , die sich bei der Maßregel der Auslösung der Bürgerwehr betheiligten , als Hochverräther bezeichnet ; ja , mau hat nicht einmal die gewöhnliche parlamentarische Schicklichkeit beobachtet : diese so ernsten , so inhalt - schweren Anträge hat man , wie wir noch heute jvon v . Rappard St . B . V 3 - 4411 hörten , in der Versammlung mit maßlosem Jubel

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