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X . Die Verfassung .
dargestellt hat , die pragmatische Sauetiou als einen Vertrag , der mit den Ständen vereinbart worden sei , betrachten , lind weil wir hier ans dem Gebiete des Vertrages uns befinden , so will ich als strenger Jurist mich auch streng an den alten römischen Rechtssah halten : „ Pacta dant legem cpntraheiitibiis , " 31 zn welchem die Doctrin die Erlänternng macht , daß , wenn es sich nicht bloß nm persönliche Leistungen handelt , der Vertrag auch für die Erben bindend ist . Wir wollen diese Sätze der Vertragslehre aus die pragmatische Sanetion an - wenden .
Wo sind die historischen S t ä n d e , die damals eontrahirt haben ? Hat sie die Revolution nicht vernichtet ? Und wenn sie sie nicht ver - nichtet hat , so mögen die historischen Stände mit der Dynastie den Ge - sammtslaat Oesterreich ansrechterhalten . Vergessen wir aber nicht , daß ein Dritter daznkam , daß der Vertrag dadurch eine ganz andere staltung erhielt , daß das V o l k hinzutrat , das den Vertrag nicht ge - schlössen hat . Freilich werden Sie sagen , die Stände vertreten das Volt . Da habe ich aber einen hohen Gewährsmann für dasjenige , was Stände und zwar * historische Stände vertreten . Als der König von Preußeu ^Friedrich Wilhelm IV . > im Jahre 1847 * * den beratheudeu Landtag in Berlin im weißen Saale eröffnete , welcher Landtag eilt ständischer war , sagte er zn der Versammlung : „ Meine Herren ! Die Stände vertreten sich selbst , " 3 - und das ist der Begriff der Stände . Ein Stand vertritt immer n n r s i ch in dem Volke , nicht das Volk . Das ist die Kritik der ständischen Verfassung . Darum bin ich auch nicht für de« tiers etat , wie ich beult überhaupt für keinen Etat bin , und wenn Sie mir fünfzehn Etats machen wollen . Ich bin für das ganze Volk .
Gehen wir ans das Vertragsband zurück , so steht die Geschichte so , daß die Stände sich zu Etwas verpflichtet haben , tvas sie nachge - rade nicht mehr erfüllen können , nnd da steht ein anderer Rechtssatz : „ Ad impossibile ho« datur obligatio / 83
Weil ich aber aus dem rechtshistorischen Boden stehe , so will ich auch darauf bleibe» , und nun frage ich alle Redner , die für die pragmatische Sanetion austraten , warum sie denn bei dieser pragmatischen Sanetion stehen bleiben . Ist denn die Geschichte durch die pragmatische Sauctiou mit Brettern verschlagen ? Gibt es nichts vor ihr ? Gab es nicht eine Schlacht am weißen Berge ( 1020 ] , welche die böhmische heit vernichtete ? Gab es nicht eine Summe vou selbststäudigeu
* St . B . IV 2887 : und was . ' St . B . IV 2887 : 1846 .

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