X . Die Verfassung .
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Meine Herren ! Alles Pergament , es mag so alt wie die Mensch - heil sein , ist mir Haderwerk , wenn es die Interessen der Völker ver - letzt , es ist mir ein Fetzwerk , wenn man damit Tynastenrechte gegen Völkerrechte schirmen will . Aber das ist mir meine snbjective schauung , die bei Vielen von Ihnen nicht ausreicht , aber Alle werden mir zugestehen , das ; gerade dieses Pergament ein mehr als „ durchlöcherter Rechtsboden " / daß er ein zerrissener ist .
Tie Unantastbarkeit desselben hat die Geschichte vielfach wider - legt . Wo ist die untrennbare Niederlande ? Wo ist die Vorlande und das Breisgan ? Wo die sechzehn schleichen Fürsteuthümer , für die alle die pragmatische Sanction gegolten ? Kamen nicht erst später Polen , die Bukowina , Venedig und Talmatieu zu Oesterreich , uud wieder Westgalizieu uud ein Theil Jllyriens weg , uud wieder zum Theil zurück ?
Tie Uuautastbarkeit dieser Urkunde ist längst verschwunden . Sie ist ein Schild voll Löcher , die Hieb und Stoß demjenigen verstatten , der nach dem Geschützten greisen will . Sie ist überhaupt auch nicht aus die Ewigkeit berechnet . Wenn sie auch über die Erbfolge im Hause Habsbnrg - Lothringen Bestimmuugen enthielt , so bestehen noch besondere Landesgesetze über Snccessiousrechte . Tie alle zusammen bewirken , das ; Oesterreich nur so lange besteht , als der herrschende Stamm noch Zweige hat ; stirbt er ab , so ist es mit der Existenz des Staates aus . Deuu sowie der gegenwärtige Herrscherstamm ausstirbt , kauu der letzte österreichische Herrscher über Oesterreich mit den Hausläuderu mark , Kärnthen , Kraiu : c . ganz beliebig dispouireu , gleichwie man über ein Patrimonium verfügen kann ; aber Böhmen darf sich einen eigenen König wählen , und Ungarn in gleicher Weise .
Wahrlich ist angesichts solcher Bestimmungen das ganze Aktenstück ein Familienstück , womit man Hansrechte ordnet , aber nicht neuen Völkergestaltungen in den Weg treten kann . Und um ihrer willen ver - dienen am Wenigsten die Ungarn [ so ] sehr den Tadel !
Ja , sie haben , wie einer meiner Vorredner , sv . Arneth St . B . IV 2780 ] , gesagt , die Rosse gezäumt uud die Säbel geschwungen , als es Jahre 17411 darum galt , infolge der pragmatischen Sanction ihre Königin zu schützen , uud jetzt zäumen sie wieder die Rosse und schwingen wieder die Säbel , nicht um die Aushebung derselben zu er - trotzen , da sie unter Oesterreichs Herrscher bleiben , aber um ihre nationale Selbstständigkeit dabei zu bewahren , die ihnen nie die pragmatische Sanction bedroht oder genommen , vielmehr hundertfältige Gesetze und

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