IX . Der Tepleiiibermlsstand in Frankfurt .
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nehmen wir die Verninthung in Anspruch , das ; diejenigen , welche das Volk gewählt hat , auch seine Meinung ausdrücken , und wir betrachten die als Verräther am Volke , welche gegen die Majorität dieser Versammlung einen Theil des Volkes aufzuregen und aufzuhetzen suchen .
Ich weiß freilich , das ; uns alle diese Argumente nicht schützen werden vor dein Vorwurfe der Reaction . das ; man uns — wir mögen sagen , was wir wollen — von manchen Seiten , indem wir das Gesetz vertheidigen , de» Reaktionären an die Seite stellen wird . Man wird uns sagen , mit dieser Maßregel beginne das alte Regiment wieder , es sei eine Rückkehr zu dem früheren Zustande .
Meine Herren ! Ich will den materiellen Gesichtspunkt aus dem Auge lassen , ich will nicht fragen , welches in den Jahren 1319 und 1832 das Berhältniß der Gegenmittel gegen die vorhandenen Hebel war , ' lind welches dieses Verhältnis ; jetzt ist : ich will nur Eines bemerken . So wenig Sie die Selbstbeherrschung des freien Mannes ver - gleichen können mit dem Zwange , welchen der despotische Gebieter dem Selaven auslegt , eben so wenig können Sie den Beschluß einer Volks - vertretenden Versammlung , welche eine beschränkende Maßregel für nöthig hält und ausspricht , dem einseitigen Zwangsgesetze , das ein schranken - loser Despotismus dem Volke zu geben gewagt hat , an die Seite stellen .
Es gibt Manche unter uns , die der Meinung sind , daß , wenn man in einem Pnnete den reißenden Strom der sich überstürzenden Be - wegnng zu dämmen sucht , das ; mau dann die Sache der Freiheit ver - rathen oder wenigstens verloren gegeben habe , das ; dann keine Umkehr mehr möglich sei . Es wird das namentlich von unserer Versammlung vielfach behauptet .
Meine Herren ! Ich kann die straft eines Volkes , die Kraft einer ans dem Volke hervorgehenden Versammlung nicht in solchem Lichte auffassen , ich kann diese Kraft nicht mit dem Blitze vergleichen , der fein kurzes Dasein nur durch Zerstörung bezeichnen kann nnd dann ver - schwnnden ist : ich vergleiche sie der ewigen Sonne , die wärmt und be - lebt , und die auch die Wolken , die sie zeitweise verhüllen , wieder zu durchbreche« vermag . Ich kann und mag in jener Kraft nicht die un - heimliche Stärke des Fieberkranken sehen , die das Aeußerste vermag , so lange ihr Paroxysmus dauert , und iu die äußerste Schwäche und Apathie zurückfällt , wenn die krankhafte Ueberspannnng vorüber ist : ich sehe in ihr die gesunde Kraft des Gefunden , die jederzeit in freier Hebung der Anstrengung fähig ist , die der Augenblick erfordert , und die , wenn sie sich freiwillig eine Beschränkung aufgelegt hat , wenn
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