VIII . Die schleswig - holsteinsche Frage .
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wälzt sich wie leises Staubgesäusel , und wenn es fertig ist , dann ist die Welt erschrocken , niedergestürzt .
Wir können uns in dieser Beziehung spiegeln an einem große» , gewaltigen Volke , welches in Allem , was man von constitutivneller Frei - heit , konstitutionellem Verstände , constitntioneller Zucht und Ordnung jemals gekannt hat , immer als Muster augesührt worden ist : wir können uns spiegeln an England .
England ist durch die Kämpfe vieler Jahrhuuderte nicht so leicht , als wir unsere Zustände 'zurechtmachen werden , zu seiner jetzigen Aer - fassung gekommen , es hat aber gerade durch diesen Streit und Gegen - streit mancher Jahrhunderte eine gewisse Festigkeit und Ordentlichkeit in seinen Zuständen erlangt : es ist ein parlamentarisch geübtes Volk . Nun sehe man seine Geschichte der letzten Jahrhunderte , — wir können ja diese , wie die Geschichte seiner Minister , genau verfolge» — man lese »»d höre de» Streit u»d Gegenstreit darüber , die Anekdoten und wirklichen Geschichten bei» ! Falle von Ministerien und bei solchem Stoß und Gegenstoß , und man wird sehen , wie mißlich und gefährlich es ist , wenn acht bis vierzehn Tage vergehen , ehe ein neues Ministerium ge - bildet werden kann , wie mißlich und gefährlich um so mehr , weil wir ein geistig aufgeregteres Volk sind . Denn es würden bei der große» Uebung , bei der langen Gewohnheit , der großen Zucht und Ordnung solche Fälle , wie sie hier auf der Tribüne vorgekommen sind , [ f . St . B . II 1438J10 in England ganz unmöglich gewesen sein ; denn es wird dort Jeder , wenn er nur die Hand bewegt , von den Constablern mit den weißen Stäben hinausgestoßen . Genug , durch die lauge parlamentarische Uebung steht dieses Volk noch viel fester , wir aber , wir stehen kaum : bei uns ist Alles im Werden , wir selbst sind werdend und wollen mit Gottes Hilfe werde» . In England wird ein solcher Zustand als ge - fährlich betrachtet , nun sind wir aber in einem solchen Zustande .
Es ist uns nun von verschiedeueu Seiten links und rechts , vom Standpnnct der Besonnenheit , Verständigkeit , der vielleicht zu großen Nachgiebigkeit auf der erneu Seite , der Heftigkeit , Feurigkeit , Muthig - keit von der andern , gesagt worden , was man für Folgeu erwartet . Es muß aber zunächst dem Staate gegenüber hingestellt werden , welche Erschütterungen möglicherweise für die Freiheit und , was sonst noch Alles da ist , entstehen können .
In Betrachtung dieser Dinge und , indem ich dies Gefühl habe , daß das , was als Kleinigkeit in feiner Erscheinung da ist , worüber ich aber in seiner Großigkeit kein Wort gebrauche , immer dicker werden

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