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VIII . Die schleSwig . holsieinsche Frage .
bewegt in tausend Beziehungen , in den Beziehungen meines HerzenS , meiner heiligsten Erinnerungen , ich möchte sagen , von Gut und Blut , von Allem , was ich durchlebt habe .
Ich denke au die Küste« meiner Heimat , au die Inseln , wo , an das Blut , von welchem ich geboren bin , an das Blut der Sachsen und Gothen , dem ich entsprossen bin , wie Schleswig - Holstein , die burger , die Sachse« , die Preußen — die Scandinavier will ich nicht einmal nennen — unsere Brüder und Freunde , obgleich wir jetzt mit fast alle» Theilcu derselben in Hader und Zwietracht leben . Das ist für mein Herz , für die Liebe meiner Jugend , mochte ich sagen , für die meines Mannesalters und auch , Gottlob , meines Greisenalters ; das geht über die weiteste» Greuzeu hinaus , über die nämlich , so weit deutsch geredet wird .
Ich habe gesagt , ich wolle reden über das Hier , über diese Stelle , Stellung , Stimmung des Augenblickes , über die Zitterung und Er - schütternug desselben , die durch jedes Herz bebt , die das ganze Volk von einem Ende zum andern durchzittert , die von ganz Europa und allen andern Volten : gefühlt werden wird auch hinsichtlich der Große der Bedeutung , wenn es zu einem allgemeinen ungeheure» Kampfe kommen sollte .
Unser Zustand des Augenblicks , der mich nöthigt , heute anders zu reden als vor ein paar Tagen [ im Ausschusses , den ich ganz ins Auge und Herz fasse , in ein altes Herz hinein , das wenigstens bei großen Dingen nicht gezittert hat , wenn es auch bei kleinen sorgenvoll und zitterig ist , — dieser Zustand , diese Zitterung und Erschütterung des Augenblickes , welche mein altes Herz dnrchbebt , läßt mich auch den Zustand betrachte« , in welchem wir seit vierzehn Tagen sind : wir sind seit vierzehn Tagen ohne Regierung , seit zehn bis vierzehn Tagen ist es noch nicht dem Reichsverweser möglich geworden , sein Testament hätte ich bald gesagt , sein Ministerium zu Staude zu bringen , [ f . St . B . III 1919 . 1920 und 1967 . ] 18 Also ich sage , seit vierzehn Tagen sind wir ohne eine Regierung , seit zehn bis zwölf Tagen ohne die Möglichkeit vor Augen zu sehen , daß , wie wir aus dem Munde derer gehört , die am Meisten betheiligt sind , eine Regierung , ein Ministerium entstehen könne .
Das ist bei dem wankenden Zustande , worin unsere deutsche Sache liegt , gewiß nichts Erfreuliches , sondern etwas Gefährliches ; denn wir leben im Zustande der Herrenlosigkeit . Man sieht dies erst nicht : es ist wie die Welle , welche erst sich unmerklich bewegt und dann zur Woge wird ; es ist wie die Schneeflocke , welche allmählich zur Lawiue anschwillt ; es

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