VIII . Die schleswig - holsteinsche Frage . 1^9
es ist gewiß , daß , wenn das Recht kein unbestritten deutsches ist , sich ganz Schleswig einzuverleiben , und selbst , wenn wir unparteiisch sind , als etwas Bestrittenes erscheine» muß , daß um so viel mehr den fremden Mächten , die mit Recht oder Unrecht ein Wort mitsprechen wolle« , Gelegenheit gegeben werde , die Sache auf dem Wege des Vergleichs und der vernünftigen Vertragung zu leiten .
Lassen Sie mich einen sehr kurzen Blick auf das Verhältnis ? dieser Mächte werfen .
Ich bin überzeugt , nach Allem , was ich gehört , — und ich habe mich diese» Gegenständen fortwährend mit großem Interesse zugewendet — daß Preußen vollkommen in die volksthumliche Ansicht der Sache eingegangen ist , und daß England wirklich aus Freundschaft für Deutsch - land für dessen Wohl besorgt gewesen ist , vielleicht allerdings auch im eigenen Interesse sich dieser Friedensunterhandlungen angenommen hat .
Das Einschreiten von Frankreich , zu dem es sich berechtigt glaubte , wird wohl nun ans dem Spiele bleiben , weil die Friedenspolitik Lamartines gesiegt hat , aber wenn Sie die Verhältnisse Frankreichs verfolgt haben , so werden Sie wissen , daß die Gewähr dieser Friedens - Politik in Frankreich keine feststehende ist , wie das Eindringen der Nationalversammlung * sam 15 . Mai ] — absit oraen ! — und die ordentliche Schwäche der executiveu Gewalt , die sie dabei gezeigt , beweist . Heute wird ein sehr angesehenes Mitglied derselben , sLouis Blancs , verfolgt , und es zeigt sich eine so zweideutige Schwäche unter den Mitgliedern bei der Genehmiguugsertheilung , daß das ganze Ministerium vielleicht heute schon ausgelost und die Friedenspolitik ausgeschieden ist , und ist sie es nicht , so kann sie jeden Tag ausscheiden .
Diesen Blick mußte ich auf Frankreich werfen , denn das ist keine Macht , die mau verachten darf .
Was Rußland anbelangt , ob dasselbe gedroht hat , darüber wollen wir nicht reden , aber das muß einleuchten : die Lage Schwedens ist ganz klar , und Dänemark mit seiner Personalunion kann nicht bestehen , denn vermöge der scaudinavischeu Sympathien und einer noch praktischeren Politik spielt Schweden scheinbar den Beschützer , um mit dem Raube davonzugehen , und Rußland zeigt sich für Dänemark , weil es part spielen will , — das ist die einfache , aber wahre Lage der Dänen .
Diese Mächte wollen zugreifen , oder sie wollen wenigstens nicht dulden , daß wir zugreife» , und England will , und darf es nicht zugeben , daß Scaudinavieu und Dänemark den Sund beherrschen . Daß sie nun
* — Eindringen in die Nationalversammlung . Ausdruck !

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