VII . Die Grundrechte .
133
heißt , wohl aber ein Freund von allen Anstalten , die den Zweck haben , zu veredeln , zu tröste» , auszurichten und zu erheben Menschengeister und Atenschenherzen . Aus jahrelangen Ersahrnngen im Amte und aus Studien noch mehr kenne ich eben sowohl die Lichtseiten als Schattenseiten der Kirche , und ich verhehle es nicht , für mein Auge sind die Schattenseiten weit überwiegender als die Lichtseiten derselben . Dennoch , zum Theil eben darum , möchte ich die Kirche völlig frei gegeben haben . Ich werde , unter einer Bedingung , für Unabhängigkeit , jafürvölligeLostrennnug der Kirche vom Staate stimmen . Schon ans dem Grunde meines obersten Priucips , dem ich mein Leben long huldigte : Freiheit für Alle uud in Allem ! muß ich dafür stimmen , obgleich ich das Gefährliche der Sache an sich zu würdigen weiß ; denn strenges Festhalten am sätze unter allen Umständen scheint mir die Politik zu sein , die am Ende sich als besser herausstellen wird , überall , als jene Staatsweisheit , die klüglicherweise von den Grundsätzen abweicht und hinüber - und herüber - schwankt , nach den jedesmaligen Umständen .
Man >z . B . v . Leisler St . B . III 1G63 ] hat gesagt , das Volk wolle die Trennung nicht .
Ich glaube , meine Herren , das Volk will die Trennung , so weit ich die Stimme des Volks habe kennen lernen können , d . h . das Volk nicht so in der Masse , sondern diejenigen , denen die Kirchlichkeit von je her ihre höchste Herzensangelegenheit gewesen : diese , meine Herren , wenigstens in meiner Heimat Mürtembergl , wollen die Trennung der Kirche vom Staate , wenigstens bei Weitem der größeren Zahl nach . Ob diese Stimmung nicht künstlich von Außen im Volke erregt worden ist , ob die Begehren nach Trennung und Freiheit der Kirche der reine , durch Nichts geirrte Ausdruck des Volkswillens sind , kommt nicht in Betracht . Das Volk hat seinen Willen kund gethan , es hat die Petitionen eingeschickt , uud sie liegen uns vor .
Ich nehme die Trennung der Kirche vom Staate nicht so leicht wie einige meiner Freunde , ich erkenne die Gefahr der Sache in ihrer ganzen Größe . Es steht sehr lebhaft iu diesem Augenblick vor meiner Seele die ganze Geschichte des Kampfes , dcit die Kirche mit dem Staate seit alter Zeit geführt hat . Ich habe erlebt und nicht vergessen , wie sich die Kirche seit den letzten fünf und zwanzig Jahren in Spanien , Portugal , Italien , der Schweiz , Belgien , Preußen , Bayern und in andern Staaten benommen hat ; ich weiß , wie man von Seiten der Kirche , von Seiten der protestantischen wie der katholischen Kirche , Geschichte und Politik , Religion und Sittenlehre , die ganze Erziehung vielfach gefalsch -

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.