Wollten Sie von den eigenthümlichen Verhältnissen Deutschlands etwa Besorgnisse hernehmen , so halte ich auch diese Besorgnisse für nn - begründet . Es mag in einem Lande eine große Majorität von Ange - hörigen einer einzigen Religionsgesellschaft bestehen oder in einem anderen eine große Mannigfaltigkeit von einander das Gleichgewicht haltenden Gesellschaften sein , in dem einen , wie in dem anderen Falle ist bereits das Experiment gemacht , die Früchte , die es getragen hat , liegen vor : wir sehen in Belgien auf einer Seite vier Millionen Katholiken und sechzehn - oder achtzehntauseud Protestanten , ans der anderen Seite in Nordamerica gar keine überwiegende Kirche , indem wohl die Zahl keines Bekenntnisses , wenn man die einzelnen Fraetionen der Hanptparteien nicht zusammenrechnet , über zwei Millionen beträgt . In dem einen und in dem andern Falle ist der Versuch gelungen : die vollkommene Freiheit und Unabhängigkeit der verschiedenen Bekenntnisse vom Staate ist dort und in Belgien eingeführt , und die Zeit der Probe und Erfahrung ist lange genug , denn iu Belgien haben wir siebenzehn Jahre zu über - schauen , in Nordamerica siebenzig Jahre .
Nun betrachten Sie diese zwei Länder , ob sie nicht in religiöser und coufessioueller Beziehung die allerrnhigsten sind , ob nicht die aller -
Aendernng bedürfe und von Grund aus umgestaltet werden müsse ! Wenn nun zufälligerweise , — ich weiß nicht , ob es der Fall ist — wenn etwa die Majorität der bayerischen Katholiken der Ansicht sein sollte , daß die bisherige Verfassung der Kirche beizubehalten wäre , aber gleichwohl einen Cnltnsminister an der Spitze hätte , der das Prineip befolgte , die Kirchenversassung müsse von Grnnd aus geändert werden , es solle kein Stein auf dem anderen bleiben , da , meine ich , wäre doch so ziemlich eine weite Aussicht auf endlose Eonflicte der mannigfachsten Weise gegeben .
Erlauben Sie mir , meine Herren , da bisher immer von Besorgnissen , von ziemlich unbestimmten Erwartungen — znm Theil düsterer Art — die Rede war , hinsichtlich des Znstandes , der möglicherweise in Deutsch - land eintreten könnte , wenn die wirkliche Freigebuug der Rcligiousge - sellschaften erfolge , Sie einfach auf de« Weg der Erfahrung hinzuweisen : wir haben ja nicht mit einer Sache zu thuu , die wir a priori zu be - urtheileu hätten , wir haben vor uns die Erfahrungen anderer Länder . In Belgien ist seit dem Jahre 1831 alles das genau eingeführt , was wir iu dem Autrage wünsche» , uud iu Nordamerica finden wir jseit 1778 ) dasselbe Verhältnis'
VII . Die Grundrechte .

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