126 VII . Die Grundrechte .
haben , und cs wird , wenigstens in der katholischen Kirche , das Beispiel einer großen deutschen Kirchenv . ersammlung gegeben werden , und unsere Bischöfe werden wahrlich nicht die Letzten sein , die sich dieser Freiheit bedienen werden . Daß sie cs aber bis jetzt nicht gethan haben , ist nicht Nachlässigkeit von ihrer Seite oder Scheu vor den Ergebnissen einer Synode , sondern es war einzig und allein der Druck des Polizei - staates , der sie daran verhinderte .
Sogar die Behauptung haben wir [ von v . Beisler St . B . III 16041 gehört , daß cs der Absolutismus sei , der jetzt die Unabhängigkeit der kirchlichen Gesellschaften wolle und begehre , wenn ich dieses Argument recht verstanden habe . Man hat dabei bemerkt , daß , wenn die Kirche mit dem Staate vereint bleibe , wie bisher , dann die Volksvertretungen es seien , die in den Angelegenheiten der Kirche mitreden , also zugleich mit an der Regierung der Kirche dnrch die Staatsgewalt theilnehmen werden .
Vergegenwärtigen Sie , meine Herren , sich doch einmal dieses Aer - hältniß . Es ist wichtig iutd belehrend , und ich glanbe , es ist noch von Niemanden näher berührt worden .
Nach den Grundsätzen der konstitutionellen Monarchie , wie sie von uns Allen verstanden wird , kann der Monarch nach allen Be - Ziehungen des öffentlichen Lebens mir durch die verantwortlichen Minister regieren , und diese Minister sind von den parlamentarischen Majoritäten abhängig . Diese volksvertretenden Vcrsaminlnngen bilden aber in religiöser Beziehung höchst gemischte Versammlungen , so gemischt , wie wir i» dieser Beziehung in der Panlskirche sind . Diese Majoritäten sind diejenigen , nach welchen der jedesmalige Minister des Kirchen - Wesens , und zwar allein , sich zu richte» hat in Handhabung des jus circa sacra oder der Rechte und Gewalten , welche bis jetzt nach den Grundsätzen des Polizeistaates über das Kirchen - und Religionswesen demselben zustehen . Was ist nun einfacher nnd nnvermeidlicher , als daß hier Männer in den Besitz und die Ausübung eben dieser um - fassenden Gewalt über Kirchen - und Religionswesen gelangen , die irgend - * einem anderen Bekenntnisse angehören als dem , über welches sie alle Staatsrechte auszuüben habe« , Mäuuer , die aus irgendeinem Grnnde gegen das Bekeuutniß einer Religionsgesellschast speeiell feindlich gesinnt sind , die dann ihre Gewalt mißbrauchen , nm dem einen Abbruch zu thun oder dem anderen einen Vorschub zu leisten . Wir wissen , welche Unzufriedenheit , welche Erbitterung iu Deutschland durch dieses Miß - verhältuiß ausgesäet worden ist , nnd wahrlich , wenn die Dinge so fort - bestehen nnd der Antrag des Allsschusses angenommen wird , so haben

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