VII . Die Grundrechte .
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Meine Herren ! Wenn irgendwo wirklich ein Mißbrauch vor - gekoinnien ist , wenn es wahr sein sollte , — ich weiß es nicht — daß irgendwo einer oder mehrere Geistliche eines Bekenntnisses sich nner - lanbter Wahlumtriebe schuldig gewacht hätten , würde ans diesem brauch irgend Etwas für eines der hier streitenden Principien folgen ? Würde dieser Mißbrauch nicht auch uuter jeder Form der alten Ordnung wie der neu angestrebten möglich sein ? Oder : nehme» Sie ein Land , wo die Freiheit der Kirche nicht existirt .
Glaube» Sic , daß in England , wo die anglicanische Staatskirche in dem allcrengsten Verhältnisse znm Staate steht , die Geistlichen sich nicht au den Wahlen fürs Parlament betheiligen ? Lesen Sie nur zur Zeit der Wahlen die Zeitungen , und Sie werden finden , daß bei den Grasschaftswahlen — in den Städten ist es anders — wohl überall die Geistlichen mit an der Spitze stehen und , da sie von allein passiven Wahlrecht ausgeschlossen sind , um so thätiger bei den Wahlen mitwirken . Tort haben Sie das Beispiel der Staatskirche , derjenige» Kirche , die am Allerengsten * mit dem Staate verbunden ist . Gleichwohl geschieht es .
Wenn nun ähnliche Dinge in Teutschland vorgefallen sein sollten , ist dies denn ein Beweis , daß mau die bisherige Abhängigkeit der Kirche deswegen festhalten , daß mau sie fortwährend unter der bürean - kratifcheu Bormundschaft des Polizeistaates belassen soll ?
Es ist svou v . Beisler St . B . III 1664 uud ferner der Vorwurf , uud zwar gegeu die katholische Kirche speciell , erhoben worden , daß sie bisher gar keine Synoden uud Coucilieu gehalten habe .
Wahrhaftig , von der Seite , von welcher dieser Vonvurf kam , hätte ich ihn am Allerletzte» erwartet . Den« an wem liegt den» die Schuld , daß die Bischöfe in Deutschland insbesondere in dieser Be - Ziehung bisher nichts gethan , noch nicht einmal einen ernstlichen Ver - stich gemacht haben , eine Syuode zu bilde» ? Alle Unterrichtete» i» dieser Sache wissen recht wohl , daß es bisher der Polizeistaat war , der , hauptsächlich diese Syuode» gehindert hat , daß die Bischöfe die end - losen Verwickelungen mit der politischen Gewalt , die sich als weisbare Folgen dieser Syuodeu , selbst wenn man sie gestattet hätte , darstellten , lieber durch Unterlassung solcher Versammlungen vermiede« , lind in manchen deutschen Ländern würde» sie sicher »och »icht einmal die Erlaubnis ; , sich zu versammeln , erlangt haben . Wenn irgendeine Zeit großer Freiheit , selbstständiger Bewegung für die religiöse Gesell - schuft in Deutschland kommt , dann werde» Sie »icht lange zu warte»
* St . B . III 1675 : am Allerwenigsten .

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