124 Vll . Die Grundrechte .
Rainen zweier , noch kurz vorher der Versammluug «»gehöriger Bischöfe , >o . Diepenbrocks - Breslau und Müllers - Münsterl , unter denjenigen finden , welche deu Antrag ans Unabhängigkeit gestellt haben . Es ist noch ein dritter Bischof , ^Geritz - Franenburgj , da , der nicht anstehen wird , seine Betheiligung au diesem Antrag auszusprechen , und was die protestantische Kirche betrifft , wo sind denn die Organe , durch welche sie ihre Forderungen stellen soll ? Sie ist so verwachsen mit dein Staat , - das ; die Staatsorgane zum großen Theil auch die Kirchenorgane sind , und man wird nicht erwarten , daß diejenigen , welche in der protestantischen Kirche bisher im Besitze der Kirchengewalt als Staatsbeamte gewesen sind , selbst den Antrag stellen sollten , daß man ihnen diese Gewalt nehme und sie gleichsam zur Unthätigkeit vernrtheile . Sonst sind die Organe der protestantischen Kirche die Stimmen der angesehenen Theologen , ihrer Vereine , ihrer Geineinden , ihre Literatur , und in allen diesen Beziehungen ist das Verlangen nach einer andern Stellung der Kirche zum Staat , nach Freimachung der Kirche vielfältig und laut genug ausgesprochen worden .
Ter Kirche zu einer weltlichen Gewalt zu verhelfen , das soll der Zweck derjenigen sein , welche diese Forderung auf Unabhängigkeit der Kirche gestellt haben . Der Vorwurf kehrt so oft wieder unter so ver - schiebenen Formen , daß man sich beinahe in einer Art Verlegenheit be - findet , immer dagegen von Neuem protestiren zu müssen . Was soll man thnn , mit welchen Gründen noch darthnn , daß gerade ein Verhältnis ; begehrt und angestrebt wird , in welchem die Kirche keine weltliche , keine politische Gewalt ausüben kann oder soll ? Doch ja , Herr v . Beisler >St . B . III 1CG41 hat auf einen sUmstand> — und das , glaube ich , war der einzige derartige Umstand — hingewiesen , daß hier und da in einzelnen Gegenden Deutschlands die Geistlichen bei den Wahlen sich betheiligt hätten .
Nun , wenn das ein Beweis ist , daß man nach der weltlichen Gewalt für die Kirche strebt , dann müssen Sie beschließen , daß kein Geistlicher in ganz Deutschland mehr das Bürgerrecht habe , daß er weder actio noch passiv wahlfähig sein solle ; denn dann weiß ich nicht , wie sich die Geistlichen anstellen sollen . Sie sind ja gegenwärtig actio und passiv wahlfähig . Was sollen sie denn thnn , wenn sie um ihre Meinung gefragt werden , wenn sie das Vertrauen ihrer Gemeinde sitzen , und von dieser um Rath angegangen werden , wem sie ihre Stimme geben soll ? Sollen sie denn die Männer , welche ihnen vertrauen , von der Thüre wegweisen ?

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.