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VII . Die Griiiidrcchtc .
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involviren , allerdings auch auf Seite des Staats eine gewisse , wenigstens moralische Abhängigkeit mit sich führen und thatsächlich bisher mit sich geführt haben .
Die Behauptung des Herrn v . Beisler >St . B . III 1663 ] , das ; in der katholischen Kirche der Papst absoluter Monarch sei , müssen Sie mir erlauben , ein für allemal mit wenigen Worten als vollkommen grnndlos zu beseitigen .
Ich sage geradezu , — und Jeder , der mir etwas von der katholischen Kirche versteht , wird einverstanden sein — daß eine losere Behauptung über die Stellung des Papstes gegen die Kirche nicht hätte gemacht werden können . Ich sage Ihnen , es gibt keine Gewalt , die mehr gebunden ist als die päpstliche , — durch artige , fest ansgebildete Verhältnisse und durch eine bis ins Einzelnste gehende Gesetzgebung , über die sich der Papst nicht hinwegsetzen kann , die für ihn eben so gilt wie für jeden Anderen — als gerade die Stellnng des Papstes in der Kirche , die wahrlich von einer despotischen Ommpotenz himmelweit verschieden ist . Glaube» Sie , daß in der katholischen Kirche irgendein Raum sei für eine rein willkürliche Gewalt des Papstes oder der Bischöfe , dann irren Sie sich sehr . In keinem Staate der Erde , China etwa ausgenommen , ist die oberste Gewalt durch so genau bemessene Gliederungen uud Einrichtungen beschränkt , und müssen die gesetzlichen Bedingungen bei der Ausübung so sorgfältig eingehalten werden , als dies mit der obersten Gewalt in der katholischen Kirche der Fall ist , außerordentliche , unvorgesehene Umstände , Ver - Wickelungen abgerechnet ! Ich will Ihnen eine einfache Thatsache nennen , die beweise» kann , wie wenig von einer Willkür die Rede fein kann , iu - bem ich sage , daß jeder Kenner des kanonischen Rechts und der katholischen Theologie bei fünfzig Fällen wenigstens neu« und vierzig Mal mit vollkommener Gewißheit voraussagen kann , wie die scheidnng des Papstes ausfallen wird .
Gegen die Unabhängigkeit der Kirchen ist ferner der Grund ge - bracht worden , daß die Kirche nicht wie eine Innung oder wie eine Eafinogesellschast bestehe» kö»»e : das war der Ausdruck , dessen sich Herr v . Beisler sSt . B . III 1G63J bediente .
Meine Herren ! Was verlangt wird , ist dies : die Kirche oder überhaupt die verschiedenen Religionsgesellschaften — denn es ist nicht von einer Kirche , sondern von allen die Rede — sollen künftig unter ein gleiches Recht gestellt , ein gleiches Verhältniß soll für alle aufgestellt werden , es soll nicht eine schreiende Willkür , eine Disparität eintreten ,

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