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VII . Die Grundrechte .
die Wissenschaft überwiegend in den Händen der sog . Bürgerlichen und nicht mehr der Adeligen . Der größte deutsche Mann , der unsere Glaubens - freiheit bewirkte , Luther , woraus geringein Stande , und so ist es von nun an in allen folgenden Jahrhunderten . Sie werden immer sehen , daß die Mehrzahl der erweckten großen Geister dem Bürgerstande an - gehörte , obgleich auch noch treffliche Männer unter dem Adel austraten , wie vorhin schon svon Schwetschke St . B . II 1297 und Gombart St . B . II 1303 ] Hutten genannt worden ist . Ans den neueren Zeiten erinnere ich all L e ss i n g , Wi n ck e l man n , K l o p st o ck , G oet h e , Schiller , lauter Unadelige , und es war ein Raub am Bürgerthnm , daß man den beiden Letzten ein „ von " an ihren Namen klebte . Dadnrch hat man sie um kein Haar größer gemacht .
Da ich doch einmal auf dieses Wortchen „ von " zu sprechen gekommen bin , das in den letzten Jahrhunderten Manchem den Kops verrückt hat , so sei es mir vergönnt , einen Augenblick dabei zu verweile» . Es ist nichts als eine Präposition , d . h . in der Grammatik ein Wort , das einen Casus regiert . Es muß also vou diesem Wort ein Casus ab - gehangen habe» , sonst würde es sinnlos sein . Immer ist es mir schienen , daß , was in der Sprache albern und sinnlos scheint , es auch im Leben ist . Es fordert also immer einen Besitzer oder Herrn des Guts , worauf es sich bezieht . Ein Heinrich von Cronberg , ein Heinrich von Weißenstem , das hat Sinn ; aber es klingt nnsinnig : ein Herr von Goethe , ein Herr von Schiller , ein Herr von Müller , denn Müller , Goethe und Schiller sind niemals Orte gewesen .
Mine Herren ! Nach Allem , was ich bisher gesagt habe , kann es mir nur scheinen , daß der Adel aussterben müsse , aber ich glaube nicht , daß er mit seilten Titeln und seinen Erinnerungen getilgt werden darf : diese mögen ihm bleiben so gut wie uns Bürgerlichen , die wir eben so lebhast an unseren Voreltern hängen . Hat man sonst im Reich nach einem Dalberg gefragt , ' " warum wird man künftig nicht eben so gut nach einem Dahlmann fragen , dessen Ehre sein Sohn eben so * aus sich ziehen dürfen wird als ehedem die Nachkommen Dalbergs ?
Solche Erinnerungen sollen überall heilig bleiben , und Niemand wird sie dem Adel wegnehmen oder verkümmern ; aber etwas ganz Anderes ist , daß er künftig ans Vorrechten heraustreten und in allen Standesbeziehungen jedem Andern gleich sein wird . Daß aber jene Vorrechte bestanden , haben wir bis ans die letzte Zeit oft mit Schmerzen
* St . B II 1311 und Grimm a . a . O . : nicht eben so .

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