VII . Die Grundrechte .
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Knechtschaft , eine Unfreiheit auf der einen und auf der anderen Seite eine Erhöhung der Freiheit selbst . In dieser Gliederung scheint mir ein Beweis gegen den Adel zu liegen . Als die härtere Unfreiheit sich in eine mildere auflöste und neben der härteren bestand , da entsprang auch eine Erhöhung der Freiheit in den Adel und des Adels in die fürstliche Würde . Nachdem diese Erhöhung der Unfreiheit aufgehört hat , muß auch die des Adels fallen .
Meine Herren ! I ch will den Adel : ich kann ihn nicht so schwarz malen , wie Redner vor mir , Iz . B . M . Mo hl St . B . II 1294 bis 1207 und Rösler St . B . II 1305—1307 ] , gethan haben ; ich will vielmehr von feinem Preise ausgehen uud hernach einige milde Schatten werfen .
In unserer ältesten Geschichte glänzt der Adel in vielen Licht - puucten . Wir wissen zwar oft nicht in den Geschichtsschreibern zu unter - scheiden , ob freie oder adelige Männer geineint seien ; es wird aber in de» alten Volksrechten zwischen beiden Ständen , wenigstens bei vielen Stämmen , wenn auch nicht bei allen , unterschieben . 15
Ich will , was Sie mir gewiß erlauben werden , weil es mir am Nächsten liegt , herausheben , wie der Adel in unserer Literatur geglänzt hat , nnd das ist doch ein Zeugnis ; für die geistige Befähigung der Völker gewesen .
Im dreizehnten Jahrhundert blühte die deutsche Poesie auf wie nie zuvor . Unter zweihundert oder mehr als zweihundert Dichtern ist die überwiegende Mehrheit dem Adel zugehörig gewesen , unser größter deutscher Dichter des dreizehnten Jahrhunderts war Wolfram von Escheubach , und nur ein anderer vermag ihm etwa das Gleichgewicht zu halten , Gottfried von Straßburg , der kein Adeliger war , sondern ans einer deutschen Stadt , die jetzt nicht mehr zu uns gehören will . Dies Verhältnis ; der Stände - blieb noch ein paar Jahrhunderte . Nachher trat ein großer Wandel ein : als mit Wiedererweckung der elassischeu Literatur , mit der Erfindung der Bnchdrnckerei die ganze Wissenschaft neu geschaffen wurde , konnte die Befähigung des Adels nicht mehr als ausschließliche erscheinen . Die Buchdruckerei ging gerade so der Freiheit im Glauben voraus , wie heutzutage die Erfindung des Dampses der Freiheit der Volker vorausgegangen ist . Beide sind Vor - boten einer Freiheit , die Nichts aushalten konnte .
Seit Erfindung der Buchdruckerei wich die Wissenschaft aus de» Klöstern und Pergamenten und ging über in die gedruckten Bücher , die dem ganzen Volke zugänglich waren , und siehe da , von jetzt an war

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