Full text: Reden und Redner des ersten deutschen Parlaments

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VII . Die Grundrechte . 
Sie sind einmal Republiken gewesen , sie haben aber jetzt constitntionclle Könige . Aber wenn man sagt , sie könnten Republiken sein , so sage ich : eher als wir ! Sie machen einen Theil der ruhigsten , bedächtigsten und , ich möchte sagen , am Meisten ans der Erde fest gegründeten Volksstämme ans ; sie sind Sachsen , Angeln und Friesen von unseren Westküsten , bedächtig und ruhig , Alles , was mit den Händen ersaßt werden kann , erfassend , in der Philosophie und Theologie immer auf festem Erdboden stehend . Wie anders ist es mit de» Schwaben , Thüringern , Bayern n . s . w . , mit den immer an dem Jdealischen hin - und herschwebenden Menschen ! Wenn Jene diese Znthaten alle hätten , es würde anders ergangen sein und anders ergehen . 
Von America rede ich gar nicht . 
Also , indem ich von der Vielseitigkeit , Vielerleiheit , Mannigfaltigkeit , Vielsinnigkeit , Vielfältigkeit Deutschlands rede und sie preise , so ist es mir auch sehr natürlich , daß , wenn man dem Adel das nimmt , wodurch er als eine Last auf dem Volke gelegen hat und zum Theil noch liegt , wenn mau ihm die Vorrechte nimmt , die er gehabt hat , man ihm seine Ahnen , Wappen und Bilder und Zeichen lassen soll , die künftig unter den hundert und tausend kleinen Fähnchen und Wimpeln unter der großen Reichsadlerfahne mitflattern können . 
Das ist meine Meinung . 
Jacob Grimm . 
1 . August 1848 . 
St . B . II 1310—1312 . 
Grimm , kleinere Schriften . 8 . Bd . lövv . S . 43 ! ) —443 . 
Meine Herren ! Auch mir [ wie z . B . Arndt S . 108J leuchtet ein , daß der Adel als bevorrechteter Stand aufhören müsse ; denn so hat schon der Zeitgeist seit ein paar Generationen genrtheilt , so hat er im Stillen genrthcilt , jetzt darf er ein lautes Zeugnis ; dafür abgeben . Der Adel ist eine Blume , die ihren Geruch verloren hat , vielleicht auch ihre Farbe . 
Wir wollen die Freiheit als das Höchste aufstellen , — wie ist es dann möglich , daß wir ihr noch etwas Höheres hinzugebe» ? Also schon aus diesem Grunde , weil die Freiheit unser Mittelpunkt ist , darf nicht neben ihr noch etwas anderes Höheres bestehen . 
Die Freiheit war in unserer Mitte , so lauge deutsche Geschichte steht , die Freiheit ist der Grund aller unserer Rechte von je her gewesen : so schon in der ältesten Zeit . Aber neben der Freiheit serjhob sich eine
	        

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