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VII . Die Grundrechte
oft organische Einrichtungen , Regiernngsmaßregeln nöthig , die stützung dnrch die Sitte , ja dnrch die Thätigkeit der ganzen Nation , um das zu erreichen , was im Gesetz beabsichtigt wird . Daher ist Vor - sicht anzuwenden , daß man sich vom Constitniren und Organisiren nicht hinüberreißen läßt zum Aussprechen allgemeiner Sätze , die entweder bedeutungslos sind oder Mißverständnisse herbeiführen . Es kann frei - lich nicht vermieden werden , daß bei einem solchen Werke , wie es von uns begonnen wird , gewisse allgemeine Principien in das Staatsleben hineingepflanzt werde» , damit die spätere Entwickelnng sich daran an - setze , aber Vorsicht ist dabei dringend nöthig .
Dies sind die Pnncte , welche ich hervorheben wollte , um recht nachdrücklich daraus hinzuweisen , daß wir mit größter Vorsicht und Behutsamkeit bei unserem Werke vorangehen müssen . Aber , meine Herren , sie dürfen uuS doch auch nicht ängstlich , nicht muthlos machen . Wir müssen es vor Augen behalten , daß wir in einer großen Zeit leben , in einer Zeit , wie die Weltgeschichte sie selten zeigt , in der durch kühnes Erfassen Resultate erworben werden können für die Entwickelnng der Völker , ja der Menschheit , welche sonst in Jahrhunderten nicht gelingen .
Gerade die Schwierigkeit der Aufgabe , die nns gestellt ist , hat unser» Ausschuß veranlaßt , noch neuerlich zusammenzukommen und sich darüber zu berathe» , welche Mittel uothweudig seien , um die Verhandlung zum sichern Ziele zn führen . Der große Verfassungsaus - schliß * hat heute Morgen beschlossen , Ihnen den Antrag zu stellen , daß mit Bezugnahme des § 44 der Geschäftsordnung >St . B . I 165 ] für die Verhandlung der Grundrechte eine zweimalige Berathnng und Abstimmung beliebt werde» möge . 5 Wir haben freilich diesen schlag erst nach langem Bedenken gemacht , wir habeil uns dabei nicht verhehlt , daß möglicherweise die Berathnng sehr in die Länge gezogen , und daß die wichtige Zeit , welche doch besser verwendet werden könne , zu sehr in Anspruch genommen werde . Allein einmal sind wir der Ansicht gewesen , daß wir diesem Umstand kein zn großes Gewicht bei - legen dürfe» , indem wir fanden , daß dnrch die bevorstehende zweite Be - rathnng die erste ohne Zweifel abgekürzt , und ferner , daß , liach parlamentarischer Erfahrung anderer Völker , die zweite Berathnng doch nicht in so hohem Grade lang sein würde , als man fürchten könnte . Es bildet sich hier ein Tact , eine parlamentarische Sitte , welche das - jenige , was noch nicht spruchreif ist . hervorhebt und über das ent - schieden Abgemachte schnell weggeht .
Zwar wurden andere Mittel in Vorschlag gebracht , wie man

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