VII . Die Grundrechte .
103
Wir glauben , das ; in dem , was in den Grundrechten von uns aufgestellt worden ist , dem deutscheu Volke ein Großes geboten wird ; wir glauben , das ; hier eine Errungenschaft früherer Zeiten ititd eiu winn für die Natioualeutwickluug niedergelegt ist , welcher für lange Zeit dem Volke zu Gute komme» soll : eine Frucht schwerer Prüfungen , in welche dasselbe versetzt ist .
Aber auch das ist uns nicht entgangen , daß hier Fragen vorliegen von großer Schwierigkeit der Behandlung , welche , wenn sie nicht richtig gelöst werde« , allerdings nicht den wohlthätigen Erfolg haben können , der damit beabsichtigt ist , ja , die zum Unglück ausschlagen können , wen» sie unvorsichtig und zu keck behandelt werden .
Wir wolle« Mißbräuche entfernen durch die Grundrechte , — aber hier tönt uns die warnende Stimme entgegen , welche uns zuruft , die wohlerworbene» Rechte zu achten und Eingriffe in dieselben nur dann für gerechtfertigt zu halte» , wenn eine nnabweisliche Notwendigkeit , wenn es das allgemeine Beste dringend erheischt . Es soll das Polizeinnwesen entfernt werden , die Willkür und die Bevormundung . Allein es darf auch nicht dasjenige aufgehoben werden , was nothwendig ist zur Sicherung staatlicher Zustände , zumal in einer solchen Entw . ickelnngsperiode , in der wir nns jetzt befinden , unter den socialen Verhältnissen , in denen wir uus bewegen , furz , bei der ganzen Lage der Gegenwart . Es kann hier Manches als gehässig erscheinen , welches , richtig erwogen , doch uöthig ist ; deuu die Form , die wir bilden , und die Gesetze , die wir erlassen , ändern die Zeit nicht , sie ändern das Volk nicht , mit dem wir zu thuu haben .
Es ist unsere Absicht gewesen , daß wir gerade das Princip der Einheit recht sest und voll aufgestellt habe» . Hier in den Grundrechten ist freilich weniger Anlaß dazu , als es sich später zeigen wird bei der Gesamnltversassung Dentschla»ds . Aber die deutsche Einheit ist keine völlige Einförmigkeit : die Eigenthümlichkeit des Stammwefevs und der Einzelstaaten ist unverkennbar und muß daher auch im deutsche» wesen anerkannt werde» .
Endlich — und hierauf lege ich besonders Gewicht — : es ist unsere Aufgabe , zu coustituireu . Es muß aber , wenn auch Einzelnes allgemein hiugestellt ist und in seiner weiteren Durchführung der späteren Zeit überlassen wird , es mnß unsere Ausgabe sein , daß wir es so hin - stelle» , daß es fest und ausführbar wird im Volksleben . Man darf vor Allem sich nicht beni Wahne hingeben , als wenn mit dem Aus - sprnch eines Gesetzes Alles gleich geschehen sei , das ; das , was man durch das Gesetz erreichen will , sogleich ins Leben übergeht . Es sind

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.