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V . Die Wahl Friedrich HeckerS .
Daß Hecker gegen Baden im Sinne des alten Strafrechts , des sog . bisherigen Strafrechts , einen Hochverrath verübt habe , davon , meine Herren , habe ich nicht bemerkt , daß es von irgend Jemand in Ihrer Mitte mit wirklichen Gründen bestritten worden wäre . Ob dieses Prädicat von der That weggenommen werden würde , wenn es zuvor gelänge , das alte Criminalrecht zu beseitigen nnd ans dem Wege zu räumen , ist eine Frage , die wir , denk' ich , anstehen lassen sollten , bis dieser Versuch etwa gelungen sein wird .
Es ist >von v . Jtzstein St . B . ll 14S3j sehr richtig gehoben worden , daß eine Uebersührnng in Form eines juristischen Be - weises gegen Heck er so wenig vorliege als gegen seine Genossen . Ich will kein Gewicht daranf legen , daß gerade er selber die Hauptursache ist , daß ein solcher juristischer Beweis bisher nicht hat zu Wege gebracht werden können . Ich wiederhole mir , wir sitzen hier nicht als ein Gerichts - hos , um die Strafe irgendeines Verbrechens oder die des Hochver - raths insbesondere über Hecker zu verhängen : das ist und bleibt Sache der Gerichtshöfe . Uns wird die moralische Ueberführnng sicherlich die - selben Dienste thiin .
Daß das Unternehmen sich nicht ans Baden allein beschränkt hat , daß es gegen ganz Deutschland gerichtet gewesen und in dem Augenblicke gerichtet gewesen , als durch das Vorparlament , den Füusziger - Ansschnß , den Bundestag und sämmtliche deutsche Regierungen die Wege bereits vereinbart wareu , auf welchen die neue Freiheit geregelt werden sollte , — wer das bestreitet , meine Herren , an dem konnte ich nur Eines bewundern , und das wäre sein Mnth . Ob man die That deshalb einen Hochver - ra t h gegen Deutschland nennen dars , ob das überhaupt ein juristischer Begriff sei , ist eine sehr müßige Untersuchung . Mau hat sie in einer andern gesetzgebenden Versammlung im Anfange dieses Jahres versucht , ans Grund einer Anregung versucht , die mit der gegenwärtigen in tralem Gegensätze steht / ' Ich erinnere diejenigen , welche diese VerHand - hingen verfolgt haben , daran , wie unerquicklich die Erörterungen waren , wie erfolglos sie für die Wissenschaft und Praxis des Criminalrechts geblieben find . Auch der Ausschuß hat sich weislich in Acht genommen , das Wort „ Hochverrath gegen Deutschland " als Technicismns zu brauche» . Die Ausdrücke des Ausschusses sind überhaupt nicht gewählt , um auf die Wagschale des juristischen Sprachgebrauchs gelegt zn werden - Diese Ausdrücke mögen die Präeision juristischer Kunstausdrücke nicht be - sitzen , die Klarheit nnd Verständlichkeit des gebildeten gemeinen Lebens wird ihnen nicht abgestritten werden können .

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