IV . Die polnische Frage .
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same Einverleibung von 5 — 000N00 Polen ? Was wird , was kann eine Nation von vierzig Millionen dadurch gewinnen ?
Meine Herren ! Nichts Geringes : es gewinnt dadurch 5 - 000000 der erbittertsten Feinde in seinem Schöße , das ist die nochwendige und unausbleibliche Folge davon ; denn , meine Herren , was können das für Staatsbürger sei» , die Sie mit Gewalt an sich gekettet , was können das für Staatsbürger sei« , die man zuvor mit Bitterkeit gekränkt und aufs Tiefste in ihrem Wesen verletzt hat ? Oder wollen Sie , meine Herren , nun dann sagen , das ; es eine rebellische Nation , das ; es Rebellen seien ? Dann müssen Sie aber auch alle Holsteiner und Schleswiger , die nicht dänisch werden wollen , zu Rebellen machen ; dann müssen Sie jeden Wnrm , der sich nicht treten läßt , einen Rebellen nennen !
Meine Herren ! Schauen Sie in das Herz des Menschen , und Sie werden diese Wahrheit von einer höheren Macht tief eingegraben finden , Sie werden finden , daß das Herz des Menschen sich gegen jede Unge - rechtigkeit empört .
Schauen Sie aus die qualvolle und schaudererregende Geschichte Polens seit seiner Theilnng , und Sie werden diese Wahrheit dort mit Blnt geschrieben finden . Man hat die Polen verschluckt , verdauen wird man sie bei Gott nicht ! Deutsche mächtige Staaten haben an der Ver - nichtnng dieser Nationalität lange nnd beharrlich gearbeitet , und was haben sie erreicht , welchen Ruhm haben sie geerntet ? Sie haben Kerker mit Menschen angefüllt , neue Galgen gebaut , sie haben manches Blatt ihrer Geschichte unnöthig mit Menschenblut beschrieben , sie haben sich mit einem Wort an der Arbeit des Tantalus nnd Sisiphns abgemüht nnd doch nicht erreicht , was sie gewollt haben .
Meine Herren , wollen Sie jetzt dies> " l Vernichtungskampf gegen die Polen übernehmen , wollen Sie jetzt diese Knolle übernehmen und die Zukunft des freien Deutschlands ans diese blutige Bahn hinleiten ? Glanben Sie , meine Herren , daß Sie durch vermeintliche Wohlthateu , die Sie den Polen durch die Einverleibung versprechen , beschwichtigen können ? Preußen liefert den . besten Beweis dafür . Wir , meine Herren , erkennen sehr gut die bitteren Früchte dieser aufgedrungenen Wohlthaten , die uns schon so vielfach vorgehalten wurden , — wir sind damit bis zum Ueberdrnß gesättigt ; denn Vortheile , die wir nur um das Theuerste auf Erden , um die Menschenwürde und um unsere Nationalität , uns erkaufe» können , das sind wahrlich keine Wohlthaten : solche Wohlthaten , meine Herren , thnn mehr weh als die härtesten Schläge des Feindes . Die Bildung , welche uuS keine Freiheit zn geben , sondern nur Fesseln

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