Unfinger , im Erfurter Augustinerkloster Präceptor , sagte zu mir , erzählt Luther , als er mich so fleißig in der Bibel lesen sah : Ei , was ist die Bibel ! man soll die alten Lehrer lesen , die haben den Saft der Wahrheit herausgezogen , die Bibel richtet nur Aufruhr an . Schließen wir daraus , was zu der Zeit das Volk von und an der Bibel haben konnte ! Allein was halte es anstatt derselbigen denn ? - In seinen Händen hatte das Wölk gar nichts , vor seinen Ohren Musik und Latein , ein paar deutsche Gesänge wurden da und dort , zuweilen dem Volk zum Mitsingen verstattet , gepredigt wurde wenig , mehr Fabeln als Wahrheiten und mehr unkluge als kluge Fabeln , von Heiligen mehr als von dem Heiligen , dahingegen vor seinen Augen hatte das Volk desto reichlicher : Bilder und Crucisixe , prachtvolle Altäre , fünssarbige Priestergewänder , Küssen und Knieebeugen , auf - steigenden Rauch und viele Lichter . So war es , in Antwort auf die Frage : Wie war es ? Gottes Wort war durchaus gebunden , aber Menschenwort und G'satz , wenn es nur von Rom kam , hatte freye Wege , ging sogar höhnend an Gottes Wort vorbey , so daß es nicht übertrieben im Ausdruck heißen kann , unfein meinetwegen aber unwahr gewiß nicht , was einmal jemand über den damaligen Stand der Dinge gesagt hat : Wäre die Reformation nicht einge - treten , die Päbste hätten die Menschen noch dahin gebracht , in auf - gelegter Buße zur Vergebung ihrer Sünden Strohhäcksel zu essen ° ) .
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Die Reformation ist aber nicht gekommen mit Schall vor den Ohren allein , mit einem Schalle , wie er in hundert Jahren nicht gehört war'' ) , sondern sie gab den Christen auch etwas in die Hand : Da , leset ! Es dürfte Luthers und der lutherischen Prediger Rede zu jener Zeit nicht mistroffen seyn , wenn ich so fortfahre : Da , leset ! Kirschen für Stengel , Nocken für Trespe , Trauben für Schlehen , d . h . Gotteswort für Menschenwort . Wie lange habt ihr das letzte

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