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Das Arbeitsgebiet der Geschichtswissenschaft.
§ 2. Der Stoff der Geschichte und seine Einteilung.
Solange es menschliche Gesellschaften gibt, die sich ent
wickelnd betätigen, wird es Geschichte und Geschichtswissen
schaft geben; mit anderen Worten: es liegt im Wesen unseres
Stosses,- in der Zukunft keine absehbare Schranke zu finden.
Eine Anfangsgrenze pflegt man dadurch"züMMchnen, dass
man Zeiten und Menschengemeinschaften als „p räh ist oris ch e"
absondert, die auf niedrigster Kulturstufe stehen und keine ge
schichtlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben. Diese grund
sätzlich von der geschichtlichen Betrachtung auszuschließen,
hat man keinen Anlaß, wir verdanken ihrer Betrachtung sogar
wichtige historische Erkenntnisse; aber es bedarf dazu beson
derer Vorkenntnisse und Methoden, und es liegt im Interesse
der Arbeitsteilung, diese Forschungen einer besonderen Dis
ziplin, der Prähistorie bzw. der Ethnologie, zu überlassen,
die insofern als eine Hilfswissenschaft der Geschichte anzu
sehen ist, als sie uns teils über allgemeine Entwicklungsver
hältnisse, teils über bestimmte einzelne Völker der Urzeit und
niederer Kultur aufklärt. Den Begriff „unhistorischer"
Zeiten und Völker können wir nicht gelten lassen. Der an
scheinende Stillstand, sei es noch unentwickelter Rassen oder
alter, zeitweilig nicht mehr vorwärtsschreitender Kultur
völker, ergibt bei näherer Betrachtung überall eigenartige,
wenn auch unauffällige Bewegung und kann zudem, wie
häufigste Erfahrungen zeigen, plötzlich oder allmählich in die
lebhafteste Bewegung und Entwicklung übergehen. Unseren
Gesichtskreis auf die europäische Kultursphäre und was mit
dieser unmittelbar zusammenhängt zu beschränken, haben wir
keinen wissenschaftlichen Grund, wie aus unseren Darlegungen
in Kapitel I hervorgeht, und es verbietet sich das auch aus
praktischen Gründen immer mehr, da heutzutage die Be
ziehungen der Kulturen auf dem ganzen Erdkreis immer un-

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