Full text: Gesammelte Märchen

Die Galoschen des Glücks. 291 
Pavpchen erwiederte nicht ein einziges Wort, sondern 
schaukelte vornehm hin und her; dagegen fing ein hübscher 
Kanarienvogel, der im letzten Sommer aus seinem warmen 
duftenden Vaterlande hierher gebracht war, laut zu singen an. 
„Schreihals!“ sagte die Dame und warf ein weißes 
Taschentuch über den Käfig. 
Piep⸗piep!“ seufzte er. „Das ist ein erschreckliches 
Schneewetter!“ Und mit diesem Seufzer schwieg er. 
Der Copist oder, wie die Dame sagte, der Feldvogel 
kam in einen kleinen Käfig, dicht neben dem Kanarienvogel, 
nicht weit vom Papagei. Die einzige menschliche Tirade, 
welche Papchen plaudern konnte und die oft recht komisch 
klang, war die: „Nein, laßt uns nun Menschen 
sein!“ Alles Uebrige, was er schrie, war eben so unver⸗ 
ständlich, wie das Zwitschern des Kanarienvogels, nur nicht 
für den Copisten, der nun selbst ein Vogel war; er verstand 
seine Kameraden sehr gut. 
„Ich flog unter der grünen Palme und dem blühenden 
Mandelbaume!“ sang der Kanarienvogel. „Ich flog mit 
meinen Bruͤdern und Schwestern über die prächtigen Blu⸗ 
men und über den spiegelllaren See hin, wo die Pflanzen 
fich auf dem Boden wiegten. Ich erblickte auch viele schöne 
Papageien, welche die lustigsten Geschichten erzählten, so 
viele und so lange!“ 
„Das waren wilde Vögel,“ erwiederte der Papagei; 
die besaßen keine Bildung. Nein, laßt uns nun Menschen 
— 
alle Fremden darüber lachen können, so kannst Du es auch. 
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