Full text: Übersicht der in Schleswig-Holstein angebauten Kernobst-Sorten

Diese ergaben sich, wenn man einmal die politische Einteilung: Schleswig und 
Holstein, dann die geographische: Ost und West, zu grunde legt. Der Mittelrücken 
bildet für den Pflanzenwuchs trotz seiner verhältnismäßig geringen Erhebung doch 
eine gute Grenzscheide. Die Frage, wohin dieses Grenzgebiet selbst zu rechnen sei, 
kam praktisch kaum in Betracht, weil aus diesem dem Obstbau im allgemeinen sehr 
ungünstigen Landstriche so gut wie gar keine Einsendungen erfolgt waren. Aber es 
zeigte sich als notwendig, den nördlichsten Teil der Provinz wegen seiner in Boden 
und Klima stark hervortretenden Verschiedenheit als einen besonderen Abschnitt 
hinzustellen. 
So ergab sich dann also die Einteilung in die 5 Gebiete: 1) Nord-, 
2) West-, 3) Ost-Schleswig, 4 West- und 5) Ost-Holstein. Die olden— 
burgische Enklave Eutin, welche durch sehr schöne Einsendungen vertreten war, ist 
ebenfalls mit berücksichtigt und zu Ost-Holstein gezogen worden. Die Westsee-Inseln 
sind in Anbetracht ihrer exponierten Lage sämtlich noch zu Nord-Schleswig ge— 
rechnet worden, während die Insel Alsen, bekanntlich ein von alters her durch 
seinen Obstbau sich auszeichnender Landstrich, zu Ost-Schleswig zählt. 
Die Zahlen nun, welche in den nachfolgenden Tabellen den einzelnen Obst— 
sorten beigefügt sind, geben an, wieviel mal die betreffenden Sorten in den Samm— 
lungen aus dem betreffenden Landesteile notiert werden konnten. Die Höhe der 
Ziffer deutet also wol einigermaßen den Grad der Beliebtheit an, deren sich die 
betreffende Sorte erfreut. Wenn nun auch nicht in Abrede gestellt werden kann, 
daß einesteils einige altbekannte Sorten noch sehr häufig vorkommen, obwol der 
eigentliche Wert derselben diese Bevorzugung nicht verdient, andernteils dagegen 
manche neuere Sorten, welche für unser Klima wenig geeignet sind, infolge der 
großen Anpreisungen, welche ihnen von ihren Züchtern oder Verbreitern mit auf 
den Weg gegeben worden, von Liebhabern hier häufiger angepflanzt worden sind 
und auf der Ausstellung erschienen, so wird man doch im ganzen die Häufigkeit 
des Vorkommens der einzelnen Sorten als eine Art von Gradmesser ihres Wertes 
auch für unsere Verhältnisse ansehen dürfen. 
Die Bearbeiter der „Übersicht“ haben aber geglaubt, daß es dem allgemeinen 
Interesse dienlich sein würde, wenn diejenigen Sorten, welche sowol nach den in 
der Ausstellung vorliegenden Ergebnissen, als nach den sonst gewonnenen Erfah— 
rungen einer vorzüglichen Empfehlung würdig sind, auch hier noch besonders 
hervorgehoben würden. Es ist dieses in der Weise geschehen, daß die betreffenden 
Namen mit fetten Lettern gedruckt sind. 
Inbetreff der Nomenklatur mag bemerkt werden, daß die Sorten hier unter 
denjenigen Benennungen aufgeführt sind, welche von der deutschen Pomologie im 
allgemeinen dafür angenommen, besonders in dem „Illustrierten Handbuch 
der Obstkunde“ gebraucht sind. Nur bei den hier häufiger gebauten Sorten sind 
die hier üblichen Provinzial-Namen beigefügt worden. Andere Synonyme sind 
absichtlich nicht angegeben worden. Es wäre wünschenswert, wenn alle Pomologen 
und Obstzüchter sich daran gewöhnen wollten, nur die von dem „Handbuche,“ 
resp. dem deutschen Pomologen-Verein angenommenen Namen zu gebrauchen. 
Schließlich noch ein Wort über die Herstellung dieser übersicht. Herr Dr. 
Lucas hatte es gütigst übernommen, auch diese recht zeitraubende und in mancher 
Beziehung schwierige Arbeit für unsern Verein zu liefern, nachdem die Revision 
der Einsendungslisten und die Prüfung der ihm nachgelieferten Früchte vollendet 
war. Im Frühjahr 1882 sandte er dem Unterzeichneten die Zusammenstellung zur
	        
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